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Montag, 22. Januar 2018

Gamboa oder - mein Paradies

Nach einer 12 ½ – stündigen Flugzeit mit Lufthansa, während der sie einen wahlweise mit Pasta, schlechter als die vom Campingkocher, oder Hühnchen, das genauso aussieht wie die Pasta, nur halt mit Hühnchen, füttern, und nach den 3 letzten Kinofilmen „Planet der Affen“, nach denen man sich nochmal so richtig Gedanken machen kann, wie ängstlich, aggressiv und dumm die Menschheit doch sein kann und wie respektlos sie mit anderen Lebensformen umgeht, freue ich mich nun wirklich wirklich sehr auf den Dschungel.

Der Dschungel – dieser Inbegriff von Leben und Fruchtbarkeit, von Verschiedenheit und Einklang, von Freude in der Stille, von Harmonie und Gleichgewicht, das nur der Mensch fertig bringt, zu zerstören. Dieses Stück heile Welt, dass unermüdlich und stark gegen seine Dezimierung zurückschlägt – Lebensraum für 1000e Lebensformen, von denen jede einzelne schon allein nur Ihrer Schönheit wegen größten Respekt und Rücksichtnahme verdient.

In diesem Dschungel darf ich die nächsten 2 Wochen Gast sein. Werde teilhaben dürfen an dieser Fülle, Pracht und Farbe. Werde ehrfürchtig den Geräuschen von Tieren zuhören, die sich so gut verstecken, dass man sie mitunter nie zu Gesicht bekommt. Werde mich heranpirschen, mich herantasten, werde horchen, riechen und spähen und den Wald und ihre Bewohner versuchen, mit allen Sinnen zu erfassen. 

Gamboa - das ist für mich das Paradies. Ich habe selten einen schöneren (besiedelten) Ort irgendwo auf der Welt gesehen. Gamboa liegt am Panamakanal und ist das Zentrum des Kanalbaus. Hier steht der älteste Kran und alles Equipment, dass man zum Ausbaggern des Kanals benötigt. 


Früher, als der Kanal gebaut wurde, entstand die Siedlung für Kanalarbeiter aber vor allem auch für ihre Chefs. Dort stehen gemütliche Holzhäuser, umgeben von einer weitgehend ungezähmten Natur. Der Dschungel wird nicht ausgesperrt, sondern setzt sich in den Gärten der Dorfbewohner fort. In den Gärten laufen Agutis herum, die Nachbarn legen Bananen aus, um die schillernd bunte Schar der Vögel anzulocken. Die öffentlichen Wiesen werden nur stückweise gemäht, sodass genug Rückzugsgebiete für Tiere erhalten bleiben. 



Es gibt alte Bäume im Dorfpark, die eine Form haben, wie man sie aus romantischen Märchen kennt.


An der gegenüberliegenden Seite des Dorfes zum Kanal trennt eine naturbelassene, teilweise gemähte Wiese und eine dünne Dorfstraße das Dorf vom Wald.


Hier in Gamboa war ich schon mal im Jahre 2014. Damals wohnte ich aber in Panama-City in einem Hostel und nahm jeden Tag den Bus. Erst mal aus der Stadt hinaus bis zum Busbahnhof und dann den Überlandbus nach Gamboa, der mich an der uralten Charges-Kanal-Brücke hinaus ließ. Die Fahrt dauerte jeden Tag 1 ½ Stunden und ich musste leider auch immer früh zurück, da der letzte Bus um 17 Uhr fuhr. Damals hatte ich nur 3 Tage Zeit und ich schwor mir, dass ich diesen Ort unbedingt nochmal ausführlich erkunden wollte.

Nun – diesmal machte ich es wahr. 5 Nächte in Gamboa wohnen, in dem einzigen Guesthouse, das es dort gibt, bei Ivan. 5 Nächte in einem dieser niedlichen Holzhäuser, 5 Tage kein nerviger Motorenlärm, sondern nur Vogelgezwitscher, 5 Tage mit den Vögeln aufstehen, laufen, schauen, staunen.
In Panama-City angekommen nahm ich zusammen mit einem Kolumbianer ein Taxi nach Albrook, wo der Bus nach Gamboa abfährt. Ich fand die Haltestelle fast auf Anhieb wieder und der Bus spukte mich planmäßig um halb 8 Uhr abends vor dem Resort in Gamboa aus, von dem ich den Weg zu dem Guesthouse kannte, das ich 2014 ausfindig gemacht hatte, und laufen konnte.

Gamboa ist nicht nur eines der schönsten Dörfer dieser Erde, dass ich kenne, sondern auch ein Hot-Spot für Vogelbeobachter.

Nachbarn in Gamboa legen Bananen für die Vögel aus.

Es gibt in diesem relativ kleinen Land Panama ungefähr 1000 unterschiedliche Vogelarten! Natürlich ist die Region unter Birdwatchern sehr beliebt und auch ich werde hier mein Glück als Birdwatcher versuchen.


Birdwatcher zu sein, das heißt, dass man möglichst schon im Wald ist, wenn die Vögel aufstehen. Nach Vor-Ort-Recherche kann ich sagen, dass die meisten Vögel um genau 06:17 aufstehen. Man steht also vor 5 Uhr auf um um 6 Uhr auf der berühmten Pipeline-Road zu sein. Die Pipeline-Road ist ein teilweise befahrbarer Feldweg, der 23 km quer durch den Wald führt und der DIE Adresse für Vogelbeobachter ist. Von Gamboa aus kann man dort hin laufen, jedoch läuft man bis zum Eingang der Pipeline-Road schon allein 45 Minuten.

Dies war also das Programm. Morgens läuft man um 5 Uhr los zur Pipeline-Road, bleibt dort, bis es zu warm wird, und ist dann um ca. halb 12 wieder zurück, wobei man dann gute 15 km gelaufen ist, was in dieser Hitze vor allem auf dem Rückweg gewöhnungsbedürftig ist.

Am ersten Tag habe ich noch kein Glück mit Fotos von Vögeln. Man sieht viele, aber sie sind so flink, dass man sie nicht vor die Linse bekommt. Es erfordert Zeit und Erfahrung, weil man andauernd irgendwo im Busch ein Geräusch ausmacht, aber nichts sieht. Deswegen muss man erstmal lernen, wer hier welche Geräusche macht und in welcher Höhe des Gebüsches man was erwarten kann.

Manche Vögel haben auch bestimmte Zeiten, in denen sie zu sehen sind. Deswegen möchten die erfahrenen Birdwatcher auch um Punkt 06:00 Uhr im Wald sein, weil es Vogelsorten gibt, die nur ganz kurz nach dem Aufstehen aus dem Gebüsch kommen, z. B. von 06:00 – 06:15 Uhr.

Soweit so gut. Ich konzentriere mich dann erst mal auf größere Tiere, die besser still halten und nicht so schnell weg sind, wie dieses Wasserschwein hier:






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