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Freitag, 22. Oktober 2010

Unser Leben im Zug – von Mbeya (Tanzania) nach Kapiri Mposhi (Sambia)

Endlich – wir sind in Bewegung! Der Zug fährt!  Was gar nicht so selbstverständlich ist.   
Denn bis jetzt haben wir nur dumm rumgestanden. Und das ganze 2 Tage.

Am Mittwoch, 20.10.2010 verließen wir zufrieden, aber schweren Herzens unsere herausragend guten Gastgeber Micha und Felix von www.Couchsorfing.org in Mbeya. Bei den zwei Volontären hatten wir 3 lustige Tage in einem echten afrikanischen Dorf, in einem echten afrikanischen Haus (der Wassertank ist nicht immer so voll, wie man es zu hoffen wagt) verbracht. Für mich war es mein erster Aufenthalt als Couchsurfer und ein voller Erfolg.

Dementsprechend schwer fällt der Abschied, aber wir müssen nun mal weiter und zum Zug. Der soll um 12Uhr abfahren. Da wir die tansanische Zeitrechnung schon halbwegs begriffen haben, schlendern wir gemütlich um 12 Uhr zum Bahnhof und sind um ca. 12:30 Uhr dort.

Immer noch 2 ½ Stunden zu früh, wie sich herausstellt.
Wir bekommen eine neue Zeit: 16 Uhr am Bahnhof sein und um 17 Uhr soll's dann losgehen.

Bei den Kanadiern, die auf ihren Zug nach Dar es Salaam (entgegengesetzte Richtung) warten, ist es ähnlich. Die offizielle Startzeit ist hier 13 Uhr, aber sie wollten schon früher am Bahnhof sein, um nicht zu spät zu kommen...diese Anfänger!

Da wir nun noch 3 Stunden Zeit haben, verabschieden wir uns von den Kanadiern mit einem hoffnungsvollen „Wir sehen uns ja dann nicht mehr“.

Als wir um 16 Uhr am Bahnhof eintrudeln, werden wir lautstark von den Kanadiern begrüßt. Alles ist, als seien wir nie weg gewesen.

Um 16:15 Uhr kommt dann auch tatsächlich unser Zug. 

Wir jubilieren. 

Übermütig gehen wir durch die Sicherheitskontrolle und zeigen den Kanadiern die lange Nase.

Laut Ticketverkäufer in Mbeya gibt es von Mbeya nach Tunduma, der Grenzstation, keine 1. Klasse mehr, angeblich ausgebucht, also müssen wir die erste Strecke mit der 3. Klasse Vorlieb nehmen und kaufen unsere Tickets für 2900 Schilling (ca. 1,50 Euro, 120 km) bis Tunduma.

Nach anfänglichem Feiern wundern wir uns nach etwa einer Stunde, warum wir immer noch am Bahnhof stehen... 
Da kommt uns ein deutscher Mitreisender zur Hilfe, der uns darüber informiert, dass auf unserer Strecke ein paar Waggons entgleist sind, sodass die Unfallstelle erst geräumt werden muss – und das kann dauern.
Als wir so gegen 21 Uhr immer noch nicht vom Fleck gekommen sind, ziehen wir in die 2. Klasse Liegebetten um. Ist ja sowieso alles leer hier. 

Schwarzstehen. Oder Schwarzliegen. Auf jeden Fall nicht -fahren.

Für die Fahrt von Mbeya nach Nakonde hatten wir ursprünglich 4 Stunden eingeplant. 2 Stunden Fahrt zur Grenze, eine Stunde Grenzabfertigung, eine Stunde Aufenthalt, bis es weitergeht. Für die 120km-Strecke hatten wir großzügig gerechnet.
Nun waren wir schon 9 Stunden zu spät, aber immer noch gut gelaunt und voller Hoffnung und schliefen irgendwann ein.

Am nächsten Morgen... Wir hatten außerordentlich gut geschlafen! 
Ach, was war das für eine Ruhe, wo doch der Zug normalerweise...
Moment mal, Ruhe? Ein kurzer Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes. Wir waren ganze 5 Meter weit gefahren.

Müde mache ich mich auf die Suche nach einer Wasserstelle außerhalb des Zuges, weil im Zug nichts geht.
Wieder werde ich lautstark von dem Kanadier begrüßt, der mir in die Arme fällt und sich freut wie blöd – na wenigstens nette Leute hier.
Vergnügt und aufgeheitert lasse ich mir den Weg zum nächsten Wasserhahn zeigen und gehe Zähne putzen.

Dann, kurz vor 10 Uhr ruckt der Zug an. Fast zur gleichen Zeit werden die Kanadier von ihrem Elend erlöst und dürfen aufbrechen. Die Armen hatten die Nacht auf dem Bahnsteig kampieren müssen.

Um den Unfallort zu räumen, hatten die tansanischen Bahn-Mitarbeiter über Nacht ein Ausfallgleis gebaut und die Wagons darauf aus dem Verkehr gezogen. 


Nun fahren wir, es ist zu schön, um wahr zu sein. Ganze 4 ½ Stunden. 

Dann entgleist ein Wagon unseres Zuges.

Nachdem alle den Schaden begutachtet und ihren Senf dazu gegeben haben, heißt es erstmal warten.

Nach weiteren 3 Stunden wird dann endlich etwas entschieden, und zwar die entgleisten Zugteile zurück zu lassen und mit dem vorderen Teil weiter zu fahren, denn bis zur Grenze sind es nur noch einige wenige Kilometer. Dazu müssen die 1.Klasse-Passagiere nach vorne zu uns in die 2. Klasse evakuiert werden. Weil es ja nun keine 1.Klasse mehr gibt, sparen wir uns erstmal den Kauf des Tickets für diese und tun weiter so, als hätten wir 2. Klasse gebucht.

Als wir an der Grenzstation Tunduma auf tansanischer Seite eintreffen, haben die Grenzer schon Feierabend. Aber vielleicht würde für den Zug eine Ausnahme gemacht? Unser Service-Mitarbeiter bereitet uns darauf vor, dass wir wahrscheinlich nachts um 0 Uhr geweckt werden würden, um die Grenzformalitäten ab zu wickeln.

Wieder ratzen wir ungestört bis zum nächsten Morgen durch, denn natürlich kommt keiner.

Am nächsten Morgen um 8 Uhr haben wir es dann endlich geschafft. Die Grenzer kommen und stempeln unsere Pässe, wir tauschen Geld und kaufen unsere 1. Klasse Tickets von Tunduma nach Kapiri Mposhi für einen der neuen Wagons, die in der Nacht an den Zug angehängt worden waren.
Dass wir vorher in der falschen Klasse saßen, wird uns nicht übel genommen, außerdem gibt's noch einen Essensgutschein als Entschädigung dazu.




Und dann kommt das Wasser! 
Kaum die Grenze nach Sambia überquert werden an der ersten Station Kasama doch wirklich die Tanks aufgefüllt! Große Begeisterung bei den Passagieren – alle stürzen ins Bad um sich den Dreck der letzten 2 Tage ab zu waschen.


Sambia
Als wir die Grenze nach Sambia überqueren, fällt gleich eines auf: In Sambia ist alles anders. Irgendwie sieht Sambia aus, wie nicht benutzt! 

Als wir ca. 1 Stunde ins Landesinnere unterwegs sind, nach zwei Stopps an bemerkenswert hübschen Dörfern mit Dorfbrunnen, runden Lehmhäusern, Bastzäunen und Blütenbäumen wird das Land immer leerer und leerer.




Seit Neustem ist es nicht nur sengend heiß, sondern auch extrem staubig. Draußen trockene, sandige, teilweise sogar brennende Erde. Landschaftlich überwiegen weite Ebenen, mit jungen Laubbäumen übersät, soweit das Auge reicht.Manchmal Grassteppe mit Findlingen mittendrin.

Trotz der Trockenheit wirkt Sambia grüner als Tansania. Vermutlich enden in Tansania die jungen Laubbäume alle unterm Kochherd, da die Bevölkerungsdichte in Tansania um einiges höher ist.

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Mittwoch, 13. Oktober 2010

Paje, Sansibar: Versteh einer die Männer...tze, tze,tze...

Gestern wurden wir von einem, bzw. zwei Ortsansässigen (der Andere hatte sich mehr oder weniger an die Aktion drangehangen) zum Essen eingeladen. 

Die Zwei hatten schon einen Abend vorher in unserem Guesthouse rum gelungert und sozusagen versucht, „die Weichen zu stellen“. Einer von Ihnen war ganz unterhaltsam und konnte einiges erzählen, das war dann auch derjenige, der uns zum Dinner einlud. 

Von dem Anderen war nicht viel zu vernehmen, außer die üblichen Standardfragen nach Herkunft und Hobbies gefolgt von der üblichen stumpfen und wenig kreativen Anbahnung eines gähnend langweiligen Flirt-Gespräches, das eigentlich ein Monolog war und das in die Anfrage mündete, ob ER nicht gleich mit aufs Zimmer kommen könnte, weil ER ja nicht gern allein nach Hause geht. 

Als sich der erwünschte Erfolg nicht einstellte, wurde auf die Tränendrüse gedrückt: Ob ich denn was gegen ihn hätte, oder gegen Männer im Allgemeinen? Oder gegen Schwarze? Und wie man einen so Verliebten so brutal vor den Kopf stoßen könnte!

Während ich den Spiegel vorgehalten bekam, wie unhöflich, männerfeindlich und auch noch rassistisch ich heute mal wieder war, versuchte ich, mich auf den Film zu konzentrieren, der gerade auf einer Großleinwand des Guesthouses gezeigt wurde und den neben mir stattfindenden Theaterauftritt so gut es ging auszublenden um mich nicht weiter über Details aufzuregen zu müssen.

Die Geschichte der ungeschickten Anmachen, der Anmache mit Einschüchterungsversuchen, der Anmache ohne jegliche vorausgegangene Leistung oder eine Kombination aus allen drei Varianten ist ja so alt wie die Menschheit, obwohl sie mir in manchen Teilen der Welt mehr verbreitet scheint. Zum Teil vielleicht auch durch kulturelle Einflüsse sowie dem Bildungsstand bedingt, können ja manche männlichen Zeitgenossen gar nicht fassen, dass die weibliche Hälfte auch Ansprüche stellen könnte.


Soviel zum ersten Abend. 

Der zweite Abend mit besagtem Dinner, zu dem ich widerwillig „mit bin“, war da schon amüsanter. 

Diesmal wurden nämlich die Karten neu gemischt! 

Nachdem wir am Wohnhaus des einen Freundes – nennen wir ihn mal Conny - angekommen waren, der uns eingeladen hatte und der zugegebenermaßen auch ganz in Ordnung war, gesellte sich sein eher flacher Kumpel Abdulli natürlich auch dazu...na Mahlzeit, man hatte es ja kommen sehen... 


Angenehm aufgefallen war dagegen von Anfang an der Koch, der, wie sich herausstellte, von Conny engagiert worden war, weil dieser selber nicht gut kochen kann. Der Koch Peter war sehr gesprächig und erklärte uns in seinem besten Oxford-Englisch seine Kochrezepte und Vorgehensweise.

Da wir vor der unendlich schweren Wahl standen, uns dröge Liebesschwüre versus interessante neue Kochrezepte anzuhören, gesellten wir uns liebend gern um P. herum, um ihm über die Schulter zu gucken.

Dies war der Anfang vom Ende für die beiden Rosenkavaliere Conny und Abdulli, denn Peter ließ uns von nun an nicht mehr aus den Augen. Egal ob beim (eigentlich romantisch geplanten) Essen, beim Smalltalk danach oder dann später in der Kneipe – die beiden Jungs kamen nicht mehr zu Wort und Peter führte das Gespräch in so eloquenter Weise, dass wir auch gar nicht bemerkten, dass die anderen Zwei die ganze Zeit nichts sagten.

Hi, hi, hi, Afrika ist lustig... 

Sonntag, 10. Oktober 2010

Paje, Sansibar: Auf der Suche nach dem Traumstrand, Teil 2

Unser 2. Versuch, den schönsten Traumstrand zu finden, führt uns nach Paje an der Ostküste Sansibars, aber südlicher als Matemwe.

Heute ist was los auf den Straßen. Es ist Veranstaltung der CCM, der regierenden sozialistischen Partei in Tanzania, zu der hunderte Dalla-Dallas (die hiesigen Minibusse, die wie Linienbusse fungieren, aber von Privatleuten gelenkt werden) voll mit potentiellen Wählern heran gekarrt werden. Die Busse sind voll, voll, voll und auf dem Dach sitzen sie auch noch.
Auch wir sitzen mal wieder wie die Ziegen eng aneinander gepresst und der Bus ist so überladen, dass er bei der kleinsten Bremsung ausbricht, aber dank des erfahrenen Fahrers immer wieder eingefangen werden kann. Da die Leute hier sehr gläubig sind, schreit einer von ihnen laut „Jesus, Jesus“, als der Bus ins Schlingern kommt...auch ich bete leise vor mich hin...


Der Strand ist weiß wie Schnee und das Wasser so türkis, dass die darüber fliegenden Möwen türkise Bäuche von der Widerspiegelung haben.




Samstag, 9. Oktober 2010

Stone Town, Sansibar

Auf Sansibar wohnen wir im Jambo-Guesthouse in genialen Zimmern mit alten, soliden Möbeln und viel Platz. Außerdem gibt’s hier das beste Frühstück, das wir jemals in Afrika bekommen haben. Für das Internet müssen wir nur aus der Haustür fallen und ins gegenüberliegende Café „Green Garden“ gehen. Zum Essen gibt es gleich um die Ecke einen erstklassigen Laden namens Lukmaan, dessen Biriyani ein Gedicht ist.

Wir laufen viel in der Stadt herum, in den verwinkelten Gassen gibt es immer etwas zu sehen. Die Gebäude sind alle alt und teils von Arabischen, indischen und portugiesischen Besatzern gebaut worden. 



Ich könnte vor Freude überschnappen, hätte ich nicht die Malariaprophylaxe (Lariam) im Blut, die ich nicht vertrage. Dies äußert sich in Stimmungsschwankungen, Gliederschmerzen, bleierner Müdigkeit, Schwindelgefühl und Sehstörungen.


Eine Spezialität in Stone Town sind Nelkenprodukte. Die Seife ist  ihr Geld wert, das reine Nelkenöl, wie ich jetzt bei meiner durch das Lariam bedingten ständigen Muskelverspannung herausgefunden habe – wirkt nicht nur entspannend, sondern riecht auch einzigartig gut. 

Überhaupt ist Sansibar ja bekannt für seine Gewürze. Aber komischerweise werden die nur für den Eigengebrauch hergestellt und reichen dann grad noch so für touristische Souvenirs. 

Dabei soll doch vor allem der Sansibar-Pfeffer viel besser sein, als der indische. Der indische Pfeffer wird von einigen Sansibari wegen zu hoher Nachfrage und aus Kostengründen importiert und an Touristen als Sansibar-Pfeffer verkauft! Aber natürlich nicht bei dem Händler, der uns diesen Trick gerade verraten hat, Gott bewahre!



Man fragt sich, warum die Sansibaren nicht mal ihre Gewürze exportieren wollen...
Als wir einen Tag eine Gewürzfarm besuchen, wissen wir, warum. Von effizienter Anpflanzung kann hier nicht die Rede sein. Hier wird eher lustig drauf los gepflanzt wo es gerade gut aussieht.

Weil Sansibar ja nicht nur Stone Town ist, wollen wir auch mal woanders hin. Zum Beispiel an den Strand. Denn trotzdem Sansibar für seine Traumstrände bekannt ist, haben wir noch keinen gesehen... 
Wir suchen uns Matemwe im Nord-Osten von Sansibar aus, weil man dort schnorcheln und tauchen kann, wie der Reiseführer zu berichten weiß.

Also alle ins Dalla-Dalla und los geht die Fahrt nach Matemwe. Wir sind verhältnismäßig schnell da, ohne größere Unterbrechungen - nur die Hotelzimmer sind derart teuer, dass wir noch zuerst eine Stunde am Strand langlaufen, um eine billigere Bleibe ausfindig zu machen und dann zu eben dieser Bleibe noch mal 20 Minuten in gleißendem Sonnenlicht auf der Staubstraße zurücklegen – mit 20 kg auf dem Buckel – aber für 9 Dollar weniger pro Tag / Person schleppe ich mich gern nahe des Kollaps durch die Sonne. Wir sind ja schließlich Backpacker, keine Jet-Setter!


Der Strand in Matembwe erweist sich dann auch als Bilderbuchstrand. 




Solch feinen, weißen Sand haben wir noch nie gesehen. Leider kann man durch die extreme Helligkeit des Sandes nicht richtig hinsehen, weil's derart blendet, dass man Angst hat, schneeblind zu werden.

Die Tage verlaufen wie Strandtage im Badeurlaub, wir machen einen Schnorcheltag und sind sonst sehr entspannt. Einziger Wermutstropfen: Die Kinder erleichtern sich gern mal am Strand, der durch einige Tretminen jetzt doch nicht mehr in so hellen Licht erstrahlt – wie eine andere deutsche Touristin herausgefunden haben will. Naja, Schwamm drüber, wir bleiben eh nur 2 Tage und machen uns dann wieder Richtung Stone Town auf den Rückweg.

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Sonntag, 3. Oktober 2010

Neulich im Jozani Park, Sansibar




Der nächste Stop nach unserem wunderschönen Bergdorf Mbaga ist Sansibar. 
Hier gibt es einen tollen Park, den Jozani NP, in dem es die seltene Affenart der "Red Columbus" zu bestaunen gibt. 

Das Besondere am Red Colobus Äffchen (zu deutsch Roter Stummelaffe) ist...

...die haben nur 4 Finger! Im Laufe der Evolution ging der Daumen drauf, da er beim Hangeln am Baum nur störte. 


Im Wald - das Gebiet war in früher Urzeit mal Meeresgrund gewesen. Alles voll von Korallen und Muscheln.


Montag, 27. September 2010

Mystik in Mbaga

Wieder zurück in Moshi führt uns unsere Reise weiter nach Mbaga, eine kleines Dorf in den Bergen, das laut Reiseführer herausragende Möglichkeiten zum Wandern bietet und dafür bekannt ist, dass ein deutscher Missionar vor ca. 70 Jahren hierher kam und eine Kirche und verschiedene soziale Einrichtungen baute. Es gibt ein Guesthouse (Tona Lodge).

Wir fahren also los, mit dem Bus von Moshi nach Same, das an der Hauptstraße liegt, wo wir dann vesuchen, nach Mbaga weiter zu kommen.

In Same gibt es nur die Möglichkeit, mit einem Jeep in die Berge zu fahren, da Busse die holperige, steile und kurvenreiche Strecke nicht schaffen. Wir fragen also an den Jeeps, die schon an der Bushaltestelle stehen, wer für Mbaga zuständig sei und die Leute sagen uns, dass der Jeep noch nicht da sei und dass sie uns Bescheid sagen würden, wenn es los ginge. Soweit, so gut. Wir warten also. Wir warten und warten. Nach 3 Stunden sind dann endlich genug Passagiere gefunden, damit das Auto ausgelastet ist und starten kann. Es stellt sich heraus, dass unser Beförderungsmittel kein Jeep ist, sondern ein Lastwagen mit offener Ladefläche und Geländer zum Festhalten. Zu unserem Entzücken ist unter den Passagieren einer, der Sitzpolster auf den Berg hoch schaffen will. Dankbar lassen wir uns auf den Polstern nieder, viel besser zumindest, als 3 Stunden zu stehen.

Die Fahrt ist lustig. staubig und ziemlich hell. In praller Sonne und Wind auf einer rot-irdenen Schotterpiste schlängeln wir uns langsam Serpentine um Serpentine nach oben. Mit von der Partie sind Schülerinnen, die diese Tour jeden Tag 2 mal hinter sich bringen, ein Maasai, der aussieht wie Günter Wallraff und ein Pulk von Dorfbewohnern, die sich auf der Ladefläche drängeln. Es ist so eng, dass man seine Füße nicht vom Fleck bekommt, aber zum Glück sitzt man so dicht gedrängt, dass man keinen großen Spielraum zum hin-und-her-rutschen hat.

Aber, aber, wer wird denn da rummäkeln? Die Reise hat sich gelohnt! An unserem Ziel angekommen steht dort wirklich ein einziges Guesthouse, wir schneien also unangemeldet in die Tona Lodge hinein. Der Sohn des Besitzers ist so gut wie allein zu Haus, der Vater ist gerade in Dar es Salaam. Die letzten Touristen waren vor 3 Wochen hier. Aber alles kein Problem „langsam, langsam“ oder „pole, pole“, wie der Tansanier sagt... Der Sohn ist gleichzeitig Hotelmanager und Tourguide, aus der Nachbarschaft wird schnell eine Köchin beschafft – wir können also getrost einziehen.
Am nächsten Tag ruhen wir uns teilweise aus und andere Teile unternehmen erste Wanderungen, die steil den Berg hinaufgehen bis zu einem Stein, von dem früher Klein-Kinder runter gestoßen wurden, wenn ihre Vorderzähne oben (zeitlich) vor den untereren gewachsen waren. Man dachte damals, das sei ein böses Omen, was man eigentlich auch heute noch denkt, aber heute traut sich keiner mehr, sein Kleinkind den Felsen runter zu schubsen, denn dem Opa des Guesthousebesitzers war einmal ein Malheur passiert, nachdem das Hinunterschubsen von Kleinkindern verboten worden war und das kam so:

Der Großvater hatte acht Frauen und einundzwanzig Kinder, von denen eine Frau eines Tages auf die Idee kam, heimlich Ernte vom Feld zu klauen. Da fahndete der Familienvater unter seinen acht Ehefrauen, wer es gewesen sein könnte. Kurzum, er fand es nicht heraus und weil er nicht wusste, welche der Frauen ihn betrogen hatte, nahm er alle sieben Frauen und alle einundzwanzig Kinder der sieben Frauen mit hinauf auf den Felsen und stieß sie alle hinunter - nur eine Frau, sein Lieblingsfrau - verschonte er. 
Das Verbrechen - nicht etwa das des Mordes, sondern das des Ernte-Diebstahls - wurde später aufgeklärt und leider kam heraus, dass nun gerade die Frau das Getreide gestohlen hatte, die noch am Leben war. Na, da war natürlich die Stimmung am Tiefpunkt... Der Mann bereute, dass er sich seiner ganzen Familie samt sämtlicher Kinder entledigt hatte und wies die Dorfbewohner an, dass nie mehr ein Mensch von dem Felsen gestoßen werden solle. Ende gut, alles gut.

Am Tag darauf sehen wir die unglaubliche Saga live und in Farbe: Die Kühe, die so aussehen, wie Steine und umgekehrt!


Jaaa! Seht ihr sie nicht? Alles voller Kühe. Schaut mal richtig hin!
Das läuft wie folgt ab: Man wandert stundenlang eine nicht zu steile Strecke durch das nicht enden wollende Dorf um dann an einen Aussichtspunkt zu kommen, an dem man in weiter Ferne im tiefen Tal ein paar dunkle Flecken erkennen kann. Das sollen Kühe sein. Und mit ein bisschen Fantasie kann man erkennen, dass diese Kühe sich sogar bewegen und Gras fressen.

Geht man dann ins Tal und schaut nach, so stellt man fest, dass die Kühe gar keine Kühe sind, sondern Steine. 

Also eigentlich sind es schon Kühe, aber verfluchte Kühe, versteinerte Kühe, Geisterkühe! 

Denn vor langer Zeit hatte ein Bauer auf die Kühe des Dorfes aufgepasst, denn die Bauern wechselten sich damals ab mit dem Hirtenjob und jeder war mal dran, die Kühe von unterschiedlichen Besitzern zu hüten. Dieser eine Bauer war aber ein Schlitzohr: Er hatte Hunger und um an Fleisch zu kommen, stieß er eine Kuh den Abhang hinunter - natürlich nicht eine von seinen eigenen - und behauptete dann, sie sei gefallen. Als der Schwindel aufflog, wurden seine Kühe zu Steinen und stehen heute noch als Mahnmal in diesem Tal herum und sehen von weitem aus, wie lebendige Kühe....

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Donnerstag, 23. September 2010

NgoroNgoro-Krater, Tansania

Das Zweite Highlight unserer Reise ist der NgoroNgoro-Krater. Man kann beim besten Willen nicht sagen, was schöner ist – die Serengeti mit ihren unendlichen Weiten oder die grünere Kraterwanne, die eine wesentlich dichtere Tierpopulation beherbergt.


Am NgoroNgoro-Krater campen wir für eine Nacht. Was uns hier geboten wird, ist wirklich spektakulär. 

NgoroNgoro-Krater, Sonnenaufgang. 

Im gleißenden Sonnenlicht, am Rande des Kraters mit phantastischer Sicht auf das Tal schlagen wir unsere Zelte auf, ganz in der Nähe einer großen Wiese, auf der gerade eine Zebra-Familie grast.



Ein Elefant kommt wenig später zum Trinken am den Wassertanks vorbei. Die Sicht, die Luft, die Aussicht und die ganze Atmosphäre ist einfach traumhaft. Wenn auch ganz schön kalt. Aber zum Glück gibt es ja den Konyagi – der tansanische Nationalalkohol, eine Art Gin, die gar nicht so schlecht schmeckt. Also trinken wir uns warm.


Das Besondere am NgoroNgoro-Krater ist, dass dieser frühere Vulkan, der vor vielen tausend Jahren in sich zusammenbrach und so die Ebene innerhalb des Kraters formte, einen einzigartigen Lebensraum für die Tierwelt bietet. Alle Arten leben zusammen in dieser Ebene, ohne jemals umziehen zu müssen. Im Krater gibt es zu jeder Jahreszeit genug Wasser, sodass die Tiere den Krater nie verlassen.



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Mittwoch, 22. September 2010

Endlose Leere – unsere Serengeti-Tour

Nach dem gelungenen Einstieg in Moshi starten wir unsere erste Safari. 4 Tage Lake Manyara, Serengeti und NgoroNgoro-Krater. Dort jagt ein Höhepunkt den nächsten.

Allein die Anreise ist spektakulär! Überall wohnen Maasai in kleinen runden Lehm-Hütten mit Grasdach in umzäunten Quadraten. Die Dörfer sehen aus wie Modelldörfer für Fertighäuser, nur dass anstatt von Fertighäusern dort ein größeres rundes Häuschen von mehreren kleineren Häuschen umzingelt sind. In dem größeren Haus wohnt der Maasai-Mann und für jede Ehefrau wird eine kleinere Hütte gebaut, die sie für sich selbst beanspruchen kann. Deswegen sieht man schon von weitem, wie viele Ehefrauen ein Maasai hat. 



Der Maasai ist überaus imposant gekleidet, und zwar in mindestens 2 Decken, von denen eine in einem Lila-Ton, die andere in Rot sein muss. Manche kombinieren dazu normale T-Shirts oder Jeanswesten, dazu Sandalen aus recycelten Autoreifen und viel Klimmbimm um Hals und Ohren, aber der Spazierstock in dunklem Ebenholz darf nie fehlen.

Am beeindruckensten ist in jeden Falle die Serengeti, was auf Maasai „endlose Leere“ bedeutet. Es stimmt, es ist wirklich eine endlosen Leere - wo man hinsieht Grassteppe, Grassteppe, Grassteppe.




Die Tierwelt ist einmalig, mein Favorit ist die Hyäne.


Die Hyäne. Die Hyäne gehört übrigens nicht zu den Hunden, sondern zu den Schleichkatzen.
Die Hyäne - wie sie allein durch die Steppe humpelt und die Hinterläufe nachzieht, mit rotblonder Mähne, braunen Flecken am ganzen Körper und einem smarten Lächeln im Gesicht...ein liebenswürdiges Wesen. 



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Montag, 20. September 2010

Lake Manyara, Tansania: Aufbruch zur großen Safari-Tour

Heute: Start unserer 4-tägigen Safari-Tour! Ach, was sind wir aufgeregt, als wir die erste Giraffe sichten!!!

Deswegen hier erstmal ganz viele tolle Fotos ;-)

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Sonntag, 19. September 2010

Ankunft in Moshi, Tansania

Nach 9 Tagen Afrika ist man schon randvoll mit neuen Eindrücken. 
Die Leute sind anders, die Landschaft, die Tiere, das Essen – alles anders. 

Gestern zum Beispiel: Es gibt Yamswurzel-Eintopf. Aber fangen wir von vorne an...  

Am 16.09.2010 setzte ich zum ersten Mal meinen Fuß auf afrikanischen Boden, genauer gesagt, auf Schwarzafrikanischen, denn vorher war ich schon in Ägypten.

Wir landen mit Ethiopian Airlines in Addis Abeba, wo wir einige Stunden Aufenthalt haben und dann über Nairobi weiter nach Kilimanjaro fliegen.

Der erste Eindruck ist eine Überraschung. Kein Gedränge, kein unübersichtliches Chaos, kein Rumgeschreie, keine Wüstenlandschaft draußen, in der halbverhungerte Kinder in sengender Hitze unter verdorrten Bäumen sitzen.  

Addis Abeba ist grün und es gibt ganz normale Gebäude, ganz normale Straßen und ganz normalen Verkehr. Ein bisschen erinnert die Landschaft an Waldhessen – nur halt ohne Wald.  

In Kilimanjaro kommen wir um 1 Uhr Mittags an. Zuerst sieht alles so aus wie immer: Einige Taxis stehen vor der Tür und die Fahrer quatschen uns an. Doch hier: Kein Gerangel, kein penetrantes Auf-uns-einreden und es gibt – Festpreise!

Für uns etwas ungewohnt, denn wir sind schon in die gleiche Schachermentalität verfallen, die ja in Asien Normalität war.

Wir fahren also mit dem Taxi nach Moshi.

Von Nahrungsknappheit auch hier nichts zu spüren, an jeder Ecke gibt es Grillhähnchen mit Fritten. Auch das Martabak, eine mit Hackfleisch und Ei gefüllte Teigtasche, hier Sansibar-Pizza genannt, erfreut sich größter Beliebtheit. 
Wir dagegen hatten eher an was typisch tansanisches gedacht, wie wär's also mit Ugali? Der Maisbrei ist der Renner in Tansania, das Nationalgericht sozusagen. Wird meist mit Bohnen oder anderen Gemüse gereicht. Hülsenfrüchte gibt es hier in allen Variationen: Am beliebtesten ist die Saubohne oder Peacockbohne, bei der wir noch nicht genau wissen, ob es die gleiche ist. Es gibt ganze Felder davon, soweit das Auge reicht. Aber auch weiße Bohne, rote Bohne, Kichererbse und Mais finden großen Anklang. Die Yamswurzel und der Maniok kommen meist in Form von Eintopf oder gekocht wie eine Kartoffel zwischen die Zähne.

Moshi ist eine tansanische Kleinstadt und der Ausgangspunkt für Kilimanjaro-Besteigungen. Bergaffine Touristen fahren eher nach Moshi, während Safari-Fans (wie wir) eher in Arusha wohnen. Währenddessen wählen Tiefpreisfans (wie wir) dann doch eher Moshi, da Arusha größer, touristischer und einfach teuer ist.  

Was mir als erstes auffällt ist, wie ähnlich die afrikanische Mentalität der Europäischen ist: Verglichen mit dem asiatischen Ansatz zu kommunizieren, ist der Afrikanische wesentlich klarer und verständlicher. Der Tansanier erklärt ausführlich was er anbietet, warum er es anbietet und welchen Nutzen der Käufer davon haben könnte. 

Aber nicht nur bei Verkaufsverhandlungen stellen sich die Einheimischen geschickt an. 
Der Fall Glühbirne: Wer kennt das nicht? Du beziehst ein Hotelzimmer und das Licht geht nicht an. In Asien wäre das ein riesen Problem gewesen, denn man hätte nicht gewusst, woran das liegen könnte und es hätte Stunden gedauert, bis jemand ausfindig gemacht worden wäre, der sich dazu im Stande fühlt, das Problem auf eigene Verantwortung zu beheben. 

Nicht so in Tansania! 
Der Roomboy wechselt die Glühbirnen aus, auch unter widrigen Umständen, denn er hat nur eine und muss die andere anderswo entwenden und später wieder ersetzen. Als nach dem Auswechseln der Glühbirnen das Licht im Bad immer noch nicht geht, holt der Roomboy nach ausführlicher Angabe von Gründen und Vorgehensweise eigenhändig einen Schraubenzieher, schraubt den Schalter auf und repariert den Stromkreis! Das hätte man in Asien so nicht erlebt - einfach spektakulär.  

Wir sind also sehr zufrieden, was Service, Essen und erste Kontakte zu den Menschen betrifft. Die Leute sind angenehm aufgeweckt, aufgeschlossen, aber nicht zu aufdringlich. Schnell lernen wie unsere ersten Worte in Kisuaheli.


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