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Donnerstag, 26. Februar 2015

Kuching und die Katzen

Neben einer wirklich entspannenden Uferpromenade, die durch die Abwesenheit von nervigen Verkäufern von Plasikmüll, aber dafür mit vielen leckeren Essensständen und gemütlichen Sitzplätzen punkten kann, gibt es in Kuching aber noch viel mehr zu sehen.

Denn Kuching (chinesisch kucing = Katze) ist die Hauptstadt der Katze!

Dazu möchte ich Bilder sprechen lassen:




Das ganze ist natürlich Geschmackssache. Aber wer es kitschig mag (so wie ich) ist hier goldrichtig. 

Und das ist noch lange nicht alles! Der Star der Stadt ist das Katzenmuseum. 

...Das liegt ein wenig außerhalb der Stadt. Dazu gehe man zur Bushaltestelle und photographiere sich die Pläne ab. 
Wenn man nach dem Bus zum Katzenmuseum fragt, wird man (vor allem als Frau) auf ungläubige Gesichter stoßen. 
Das passiert deshalb, weil man, um in das Katzenmuseum zu kommen, einen ziemlich steilen Hügel erklimmen muss, weil der Bus unten an der Hauptstraße hält und nicht hoch fährt. Weil normalerweise kein Mensch, außer Du, bei dieser Hitze den Berg hoch laufen würde, wird Dir zu einem Taxi geraten. 

Nichtsdestotrotz - den Bus gibt es und er fährt auch. Er ist zuverlässig - auch auf der Rückfahrt - auch, wenn man von den Aussagen der Leute nicht darauf schließen kann. 

So, jetzt zum Museum. 
Ein Journalist der Berliner Zeitung hat das Ganze mal so beschrieben: 

»Man betritt das architektonisch zwischen Raumkapsel und Moschee angesiedelte Museum durch ein riesiges Katzenmaul. Gleich dahinter hocken zwei alptraumgroße Katzen in den traditionellen Kostümen der Malaien.« 




Den Eingang möchte ich Euch natürlich auch nicht vorenthalten: 



Drinnen ein Sammelsurium von Katzenfotos, Katzengemälden, Katzenstatuen, Katzencomics, Katzengeschirr, und, und, und... einfach traumhaft!




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Mittwoch, 25. Februar 2015

...und dann waren da noch die Nasenaffen...

Die dürfen natürlich in einem Reiseblog über die Schätze des Bako Nationalparks nicht fehlen. 

Mir persönlich weitaus sympatischer als die Makaken, machen diese Spezies keinen Stress am Morgen. Sie toben nicht rum wie bekloppt, klauen keine Wäsche von der Leine, schreien nicht (zu keiner Tageszeit) und lassen keine Nüsse auf Dein Häuserdach fallen. 

Hier ein paar herzerweichende Bilder vom "Proboscis monkey", wie er korrekt heißt.  


2015_02_24_Bako_Nasenaffen

Bako Nationalpark - Tag und Nacht

Ach, was ist es schön im Dschungel.
Leider muss ich immer mit dem letzten Boot zurück zum Festland... Was ich 2 Tage mache, aber das ist umständlich. Man muss beim Dschungel Erkunden auf die Uhr schauen und das Boot fährt diese Tage schon einmal um 14:30 zurück, weil es kein Wasser gibt.

Nee, das passt mir nicht. Außerdem muss man ja dann auch immer so früh aufstehen, weil man den Bus erwischen will...

Die Lösung: Übernachtung im Nationalpark!
Mit dem Dschungel auf Du und Du, 2 1/2 Tage lang!

Nachts riesige Spinnen im Bad haben, die es einen Scheiß interessiert, wenn einer rein kommt.
Morgens die riesige Spinne an der Decke des Duschraums vorfinden, als würde es ihr Spaß machen, nachts im Kloraum die Leute zu erschrecken und dann morgens nochmal im Duschraum...

Ja, das macht Freude! Dafür fährt man in den Dschungel!

Ich buche also 2 Nächte in den Dschungelbaracken des Bako Nationalparks. Meine Unterkunft gehört zu den preiswerten - man teilt sich eine 4-Bett-Baracke mit anderen Reisenden. Diese kann man empfehlen - die Fenster sind gut abgedichtet, die Ventilatoren funktionieren und ins Zimmer kommen so gut wie keine Insekten, wenn nicht einer Eurer Mitschläfer die Zimmertür offen stehen lässt.

Es sei angeraten, keine Wäsche über Nacht oder überhaupt unbeaufsichtigt auf der Leine zu lassen - denn morgens kommen die Affen!

Das Essen in der Kantine schmeckt - nicht nur mir.
Riesige Schweine kommen abends aus dem Wald und stellen sich auf die Wiese vor der Küche. Sie warten auf Küchenabfälle. Die Küchenmitarbeiter, denen das Ganze auch nicht ganz geheuer ist, singen den Schweinen Lieder, um diese zu besänftigen.

Soweit, so gut.

Aber Nachts! Das ist doch ganz was Anderes hier! Diese Geräusche, diese Riesenschweine...und wie mag es erst im Wald aussehen? Was für tolle Tiere kreuchen da jetzt rum?

Schade, dass man nicht rein kann, weil stockdunkel.
Oder doch?

Na bitte - es wird eine Nachtsafari angeboten. Aufgeregt melde ich mich an.

Wahnsinn! Da ist ja alles voll von Tieren!!! Naja, die meisten davon sind Insekten, aber es gibt auch ein paar im Baum schlafende Vögel, einen Gecko, und eine grüne Baumviper!



In der Mehrzahl sind ganz unangefochten die Spinnen. Diese sitzen aufmerksam auf Blättern und warten auf vorbei kriechendes oder -fliegendes Essen. Mit dem Fotografiertwerden haben sie kein Problem, beruhigend, denn wir müssen ganz schön nah ran bei der Dunkelheit.


Auf dem Rückweg sehen wir dann nochmal ein Fliegendes Eichhörnchen (Flying Sqirrel), meine absoluten Lieblinge, die aber im Dunkeln nur von dem Ranger erspäht werden können und wie ein brauner Sack aussehen, der an einem Ast hängt.

Am helllichten Tage, gleich am ersten Tag, hatte ich eines gesehen, dass einen Baum umarmend, mit offenen Augen, selig schlummerte.
...Danach konnte ich mich ungefähr 2 Stunden nicht mehr beruhigen und hatte das fleckige Ding sofort in mein Herz geschlossen.


Flying Squirrel bei Nacht - nur mit geschulten Augen zu entdecken. 


Flying Squirrel bei Tageslicht - schlafend an einem Baum hängend.


2015_02_23_Bako_NightSafari

Montag, 23. Februar 2015

Bako Nationalpark Kuching - es kreucht und fleucht...

Meine Güte...Eine wunderbare, gemütliche Stadt, ein tolles Guesthouse mit nettem Personal zu einem unschlagbaren Preis, wunderbares Essen zu jeder Tageszeit (Laksa, Biriyani vom Feinsten!), Sonne, Katzen überall - ja kann es denn noch besser kommen?

JA! Es kann! 
Heute geht es nämlich in den Dschungel!!!


Proboscis monkey
Der Bako Nationalpark ist von Kuching aus leicht zu erreichen. 
Detaillierte Infos, wie Du hinkommst und was es kostet, findest Du unter obigem Link. Aber ich ergänze diese Infos hier mal mit meinen persönlichen Erfahrungen: 

Du stehst nicht allzu spät auf, stellst Dich an die Strasse oder läufst zur Hauptbushaltestelle. Es ist sicher, dass der Bus zwischen 7 und 8 vorbei kommt. 
Aber Achtung! Wenn das Wasser am Morgen schon niedrig steht, wegen Tidenhub, dann kann es sein, dass spätere Busse (zwischen 9 und 10 Uhr) gar nicht erst fahren, weil das Boot, dass Du anschließend nimmst, um in den Park zu kommen, sowieso nicht fährt.
Also stehst Du da und wartest. Irgendwann kommt der Bus, an dem Bako auch gut leserlich dran steht. Du fährst bis zum Bootsanleger und lässt Dich mit dem Boot übersetzen. 
Achtung! Da das Wasser meistens am späten Morgen schon ziemlich niedrig steht, wirst Du die letzten Meter bis zum Strand im Wasser waten müssen - also bitte Wanderstiefel zu Hause lassen. 
Es kommt natürlich drauf an, welche Jahreszeit es ist. Im Februar war es sehr trocken im Wald, also ist die Gefahr, aus Versehen in etwas Unerwartetes hinein zu treten (Schlangen, Insekten, giftige Pflanzen) nicht besonders hoch. Deswegen bin ich immer mit Outdoor-Sandalen im Wald gewesen - habe jedoch natürlich genau hingeguckt, wo ich hintrete, wenn ich nicht auf den Wegen geblieben bin. 
Wenn es Regenzeit ist, dann sind natürlich feste, geschlossene Schuhe ratsam, schon allein wegen der Blutegel. 

Auf dem Rückweg das gleiche Spiel. Du solltest schon gleich nach Deiner Ankunft in Bako das Boat-Office aufsuchen und erfragen, wann das letzte Boot zurück fährt. Dies kann ganz unterschiedlich sein - manchmal fährt das letzte Boot um 14:00 Uhr, manchmal um 17:30. Das liegt wieder am Tidenhub und daran, ob die Boote genug Wasser haben oder nicht. 

Gut, jetzt bist Du angekommen. Läufst gemütlich vom Strand an das Parkverwaltungshaus ran. Davor, praktischerweise, ein Wasserbecken und Sitzplätze zum Füße-Waschen. Im Haus gibt es eine Kantine, in der einfache, aber leckere Speisen angeboten werden. Es zieht Dich hinein, aber Du willst erstmal laufen. 
Also auf zur Infotafel und einen Rundweg ausgesucht. Achte ein wenig auf die Zeit, weil Du ja mit dem letzten Boot mit willst. 

Die Wege im Wald sind sehr gut zu erkennen und beschildert, also keine Angst, Du wirst Dich nicht verlaufen. 

Es gibt ein paar sehr große Schweine im Wald, denen Du vielleicht Platz machen solltest, wenn sie den gleichen Weg wie Du laufen, aber ansonsten ist der Wald nicht besonders gefährlich. 

Und jetzt gehst Du los und entdeckst die wunderschönen Landschaften, die Wasserlöcher, die Kannenpflanzen, den Sonnentau, und den berühmten Proboscis monkey (Nasenaffen)! 



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Freitag, 20. Februar 2015

Kuching, Borneo: Alles Dschungel, oder was?

Borneo....
Da erwartet einen der DSCHUNGEL - ungezügelte Natur, wahnsinnige Schwüle, und eine Menge Tiere!!!

Die Wahrheit ist: Auch Borneo macht, wie der Rest Malaysias, in Ölpalmen. Drei Viertel der zu bearbeitenden Fläche des Landes gehören den Ölpalmen und dem Kautschuk. Bei beiden ist Malaysia der führende Weltproduzent. Die wichtigsten Industriezweige, die sich auf diese Weise mit erheblicher staatlicher Unterstützung herausgebildet haben, sind die Elektrotechnik, die Textil- und Bekleidungsindustrie sowie der Maschinenbau (Quelle: http://www.ipicture.de/daten/wirtschaft_malaysia.html).

Wie man es in Deutschland kennt, wenn man mal die Gelegenheit hat, drüber zu fliegen, ist das Land in kleinere und größere Parzellen aufgeteilt und zum größten Teil bewirtschaftet. Den Wald gibt es noch, jedoch nur innerhalb der geschützten Nationalparks, z. B. im Danum-Valley

Kuching, im Westen Borneos, liegt in der Nähe mehrerer Nationalparks
Der schönste und am leichtesten begehbare davon soll Bako sein, und da will ich natürlich hin !, aber dazu später mehr...

Kuching ist die Hauptstadt des Bundesstaates Sarawak, hat ca. 640.000 Einwohner und weist eine Dichte an Shopping-Centern auf, die für die gemütliche Stadt mit Dorfatmosphäre bemerkenswert ist.
Schön ist, dass sich Kuching beides bewahrt hat: Tradition und Moderne halten sich hier gut die Waage. Geht man an der Uferpromenade entlang, sieht man auf den muslimischen Teil der Stadt herüber (der eine Anreihung von Dörfern, sogenannten „Kampungs“ ist), sieht den Wohnpalast des Präsidenten Sawaraks (Astana) und sein Parlamentssgebäude.

Astana Palast
Parlamentsgebäude

Fährmänner mit kleinen Booten setzen Passagiere für nur einen Ringit auf die andere Seite der Stadt über.


Auf der anderen Seite gibt’s Essen, in einem größeren Foodcourt, der - perfekt  - genau am Wasser gelegen ist.

Hier gibt es übrigens auch das leckere Sarawak Laksa! Ich habe hier mal schnell eine kurze Erklärung der Zutaten und das Rezept hinterlegt. 
Ursprünglich essen die Malaien dieses gesunde, scharfe Süppchen zum Frühstück. An einigen Ständen bekommt man es aber auch noch bis zum Abend.

Laksa zum Frühstück oder auch als Snack zwischendurch - schöner kann man seine Zeit kaum verbringen!

Der Foodcourt am muslimischen Ufer von Kuching.


Gedankenexkurs: Photographieren wir die Eingeborenen oder die uns?
Es heißt zwar immer, dass die Touristen gerne Fotos von "Eingeborenen" machen. Vorwiegend von Kindern, weil die Gefahr, dass sich so ein Kind beschwert, wenn es fotografiert wird, gering ist. Weil es ja so unschuldig und naturbelassen rüberkommt. Weil die da doch sooo wenig haben und doch sooo glücklich sind...

Ich persönlich versuche Kinder möglichst nicht frontal abzulichten...

In Deutschland renne ich ja auch nicht mit der Kamera durch die Stadt und lichte Kinder ab, obwohl das wesentlich interessanter wäre – deutsche Kinder sehen nämlich nicht alle so glücklich aus.
Was wiederum die Frage aufwirft, warum ein durchschnittliches westliches Kind im Alter von sagen wir mal 2 – 6 Jahren nicht ausgelassen rumplappert, rumrennt, und seinen Eltern ein Loch in den Bauch fragt, weil es sich für so viele Sachen begeistert und so viel wissen will. 

Zugegebenermaßen - manchmal photographiere auch ich mal ein Kind, wenn es besonders niedlich oder besonders lustig aussieht - aber nicht, weil es im Elend leben muss. 

Wie dem auch sei, diese Frage stellt sich hier in Malaysia weniger, da der Lebensstandard, den man auf den Strassen beobachten kann, nicht auffällig niedrig ist. Muslimische Frauen sollte man aber bitte wirklich nicht frontal fotografieren, auch wenn sie per Zufall gerade durch das Bild laufen, denn das ist wirklich unhöflich. 

Allerdings besitzen die „Eingeborenen“ heutzutage auch alle ein Smartphone und machen mit Vorliebe Fotos von blonden, sommersprossigen Ausländern.
Hier bin ich also die Exotin. Hier werde ich andauernd fotografiert. 

Einige versuchen es heimlich - das ist immer interessant zu beobachten. Sie tun so, als wollten sie sich selbst fotografieren, warten aber, bis man durchs Bild läuft und drücken dann ab.
Einige trauen sich nicht zu fragen und kichern bloß. Da ich das schon kenne, frage ich dann meinerseits, ob sie ein Foto machen wollen.

Zwei Mädchen, vielleicht 18-20 Jahre alt, fragen mich direkt. Ich kenne das zwar, bin aber erstaunt, dass mir das in meinem Alter immer noch passiert. Wo wir schon mal dabei sind, will eine Gruppe von 3 Jungs dann aber auch ein Foto - die Gelegenheit ist günstig.

Auf der Uferpromenade überholt mich eine Gruppe von Jungs, die dort entlang joggen. Später, als sie zum Stretching alle in Kreis stehen, unterbrechen sie ihre Übungen, rufen alle „Hello Miss“ und winken mir zu. Ich winke zurück. Ich bin begeistert von dieser Stadt...
Tua Pek Kong, Chinese Temple
...hier trifft man sich abends...










Sonntag, 16. Mai 2010

Malakka

Das Schöne am Reisen ist, dass man viele Leute aus unterschiedlichen Orten und Kulturkreisen kennen lernt. Dank unseres Meditationskurses kennen wir nun einige Malaien oder Chinesen, die in Malaysia leben. 
So auch in Malakka, der Stadt, in der 1511 die ersten Portugiesen an Land krochen. In Malakka wohnt Janice, Janice ist Malaiin mit hokkienischen Wurzeln und zeigt uns die vor Geschichte nur so triefende Stadt. 



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Mittwoch, 5. Mai 2010

Teman Negara Nationalpark, Malaysia - Du schwitzt Dich schlank...

Unglaubliche Schwüle, nichts trocknet, Du schwitzt sich schlank... Die Vögel pfeifen, die Eichhörnchen zetern und Du solltest nicht stehenbleiben, weil dann sofort die Moskitos kommen.

Kommst Du aus dem Wald zurück, blutest Du wie ein Schwein, weil die Blutegel ganze Arbeit leisten und mit äußerster Umsicht unmerklich Dein Bein hochgewandert sind, bis nach dem Schnür-Schuh und der Socke das Stück nackte Haut kam...

DAS ist der wirkliche Dschungel!!!
Was haben wir gesucht - auf der halben Welt....in Thailand, Laos und Vietnam!

In Thailand und Laos waren alle Bäume bereits abgeholzt, die in irgendeiner Weise kommerziellen Wert hatten.
In Vietnam konnte von Wald überhaupt keine Rede sein. Viel zu viele Menschen, viel zu viele Motorräder.

Aber hier in Malaysia stehen sie, die Urwaldriesen!

Ich - in Ameisengröße.
Teman Negara ist der schönste Wald, den ich bisher in meinem Leben gesehen habe.
Das Wiki weiß: "Mit seinem 130 Millionen Jahren alten tropischen Dschungel beheimatet der Taman Negara das älteste Waldgebiet der Erde." !!!

Nachdem wir mit der "Jungle Train" von Jerantut nach Gemas gefahren sind, was auch schon ein unglaublich schönes Erlebnis war, toppt dieser Wald wirklich alles.

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Montag, 3. Mai 2010

Kota Bharu, Malaysia

In Perhentian muss ich mich vorübergehend von meiner lieben K. verabschieden, da sie ihren M. in Kuala Lumpur erwartet.
Durch den Meditationskurs hatten wir Elli kennengelernt, mit der ich nun in ein Zimmer ziehe und wir brechen nach ein paar Tagen zusammen nach Kota Bharu auf.


Kota Bharu ist eine eher unscheinbare Stadt im äußeren Nord-Osten von Malaysia und man meint auf den ersten Blick, es sei nichts los. Komischerweise habe ich mich selten so amüsiert, wie dort.


Es fängt schon mit dem Guesthouse an: Cerana Guesthouse - wirklich wärmstens zu empfehlen. Die netten Guesthouse-Betreiber und die gesamte Einrichtung sorgen für eine Stimmung wie zu Hause im Wohnzimmer! Es gibt Kaffee und Tee gratis und wir kaufen uns echte Milch und Cornflakes zum Frühstück (Als Backpacker kommt man nicht so oft mit echter Milch und gesundem Frühstück in Kontakt, daher meine Begeisterung)!


Auch mit Elli lässt sich wunderbar auskommen, sie ist immer für ein Späßchen zu haben, ist nie unzufrieden und als Italienerin spricht sie viel und laut mit allen anderen Leuten, sodass wir auf einmal 1000 Freunde haben.


Kota Bharu ist die Stadt der Kultur. Hier gibt es zum Beispiel das Water-Puppet-Theater, bei dem der Chef-Puppenspieler hinter einer Leinwand sitzt und verschiedene filigran geschnitzte Holzpuppen über die Bühne tanzen lässt, dazu singt und spricht.


Water Puppet Theater



Die Vorstellung ist in malaiischem Dialekt, sodass der Malaie aus Kuala Lumpur, der mit uns im Guesthouse wohnt, auch nur ein paar Wörter versteht.



Außerdem gabs noch eine Art Tanz-Kampf-Sport, den Silat:






Wir durften sogar mitmachen!

Mittwoch, 28. April 2010

Perhentian, Malaysia

Perhentian ist eine Insel an der Nordostküste Malaysias und ist ideal zum Tauchen und Schnorcheln. Es gibt riesige Meeresschildkröten und Katzenhaie. 
Nach unserem Aufenthalt im Vipassana Meditationszentrum wollen wir jetzt erstmal reden, uns bewegen und uns des Lebens freuen. Deshalb hier erstmal nicht viele Worte, sondern schöne Bilder aus Malaysia's Unter- und Überwasserwelt. 



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Samstag, 24. April 2010

Vipassana Schweigeretreat - Teil 2

5.Tag – Equanimity

Die neue Übung der Inspektion des Körpers nach Gefühlen ist aaanstrengend...


Heute kristallisierte sich heraus, dass es ziemlich frustrierend ist, nichts zu spüren außer Jucken und Schmerz. Man soll üben, seine negativen Gefühle zu akzeptieren und nicht vertreiben zu wollen, genauso wie man positive Gefühle nicht versuchen sollte, fest zu halten.


Alle Gefühle, egal welcher Art, seien Zeichen der Veränderung.


Verstehe. Theoretisch. Oder doch nicht? Wozu soll das alles gut sein? Wäre ich draußen in der Natur, könnte ich mich bewegen, dann hätte ich diese ganzen unangenehmen Gefühle nicht! Stattdessen sitzen wir hier Stunde um Stunde und spielen unseren Tod!
Das Problem ist die ungewohnte Situation gepaart mit der neuen Denkweise, die man nicht so einfach aus dem Stegreif anwenden kann. Denn es handelt sich hier um eine tief greifende Operation der Psyche (sagt auch der Guru).


In den Meditations-Sitzungen sitzt du, wie der Name schon sagt, Stunde um Stunde bewegungslos herum und entwickelst Schmerzen in sämtlichen Gliedern. Du leidest. Aber Du sagst Dir: „Ich darf keine Aversion gegen den Schmerz haben“. Du sollst ihn nur beobachten, er kommt und geht. Wenn die Zeit mal auch vorbeigehen würde! Stattdessen werden Minuten zu Stunden und Du beobachtest und beobachtest Deinen Schmerz und versuchst, ihn schön zu finden.
Aber manchmal wird der Schmerz nicht besser vom Hingucken!


Nun könntest du dich schon wieder aufregen, weil Du gedacht hast: „Der Schmerz wird nicht BESSER!“ Denn damit hast du den Schmerz bewertet! Und zwar als mies.


Das heißt, Du hast eine Gier entwickelt, und zwar nach einem besseren Gefühl. Du denkst an die Zukunft: „Nur noch 5 Tage und ich darf in mein altes, geordnetes Leben zurück!“


Du solltest aber ursprünglich neutral reagieren. Nichts wünschen, nichts vermissen. Einfach nur den Moment leben und zufrieden sein. Jetzt ärgerst du dich, dass du nicht zufrieden bist. Dann fällt dir ein, dass du dich nicht ärgern darfst und ärgerst dich, dass du dich ärgerst.


Du fühlst Dich mies, weil du immer so negativ bist. Dann versuchst du wieder, deine schlechte Laune zu rechtfertigen, indem du dir sagst: „Ja, wie auch! Unter diesen Umständen...“


Aber gleich tut es Dir wieder Leid: „Nein, so darfst du nicht denken! Keiner hat Schuld daran, dass Du hier rumsitzt. Du hast diesen Kurs ja freiwillig angefangen...“


Und so geht es den ganzen Tag, auf und nieder, unaufhörlich, endlos...denn du hast 18 Stunden am Tag, in denen du nachdenken kannst...
Unter dem Stichwort „Equanimity“ (zu deutsch: Gleichmut, Gelassenheit) soll man sich, so lehrt das Dhamma, von der Gier und des Fest-Halten-Wollens verabschieden. Durch die Gier im Menschen, wird das Schicksal in Gang gesetzt und schlechte Gedanken multiplizieren sich. Das liegt bei materiellen Dingen auf der Hand: Denn materiellen Besitz anzuhäufen, das ist ein Fass ohne Boden – hat man viel, will man mehr. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Im Gefühlsbereich wird's aber unübersichtlicher:
Sicher ist „Haben-Wollen“ dazu da, ein Gefühl zu befriedigen und gleichsam mit dem materiellen Besitz, ein Fass ohne Boden.


Aber so ganz und gar abstellen kann man dieses Gefühl nicht und es ist nur allzu natürlich, denn – was ist so schlimm daran, glücklich sein zu „wollen“, Erfolg haben zu „wollen“, keine Schmerzen haben zu „wollen“?


Schließlich „wollen“ wir ja hier auch jeden Tag um 4 Uhr aufstehen und „wollen“ den ganzen Tag sitzen und meditieren. Streben ist nun mal Streben. Ohne Streben kein Progress.


Äh ja, und jetzt?


Einigen wir uns darauf, dass Streben ok ist, aber Gier nicht.

Die allabendliche Rede des Gurus Mr. Goenka ist auch nicht gerade leicht verdaulich:
Es geht darum, weshalb wir uns den ganzen Tag damit abquälen mussten, unseren Körper zu beobachten. Zur Steigerung des Ganzen sollten wir dabei eine geschlagene Stunde still sitzen, ohne auch nur ein Fingerchen zu bewegen. Ich hielt 40 Minuten durch, immerhin...
Trotzdem war mir bis dato noch nicht ganz klar, wofür das alles gut sein sollte. Ich war von Natur aus kein sehr schmerzempfindlicher Mensch. Nun sollte ich mich auf meine Empfindungen konzentrieren und hatte Angst, dabei mein Schmerzempfinden zu züchten, was geheißen hätte, noch mehr zu leiden. Und noch mehr leiden wollte ich nicht. Alles war ja schon schwer genug!



Mr. Goenka belehrt uns eines Besseren: Genau darauf käme es an! Er hatte uns absichtlich in diese unangenehme Situation geschupst, damit wir lernen, mit negativen Gefühlen umzugehen. Man sollte die Körperreaktionen auf das Stillsitzen bewusst durchleben und den dabei entstehenden Schmerz als wertneutral betrachten. Von außen. Nur beobachten. Denn er kommt und geht von allein.


Und wenn etwas von allein geht, dann brauche man auch gar nicht einzugreifen, dann solle man es einfach so akzeptieren, wie es ist, und vorbeiziehen lassen.


Durch die Übung, den Schmerz zu beobachten, würde man dann mit der Zeit die Empfindung abbauen und irgendwann keinen Schmerz mehr empfinden. Wie der Fakir sozusagen. Schmerz als reine Gewöhnungssache. Alles klar?


Klingt theoretisch super. Praktisch ist es ein Desaster.
Wenn wir Schmerz nicht brauchen, warum hat dann eigentlich jedes Lebewesen dieses Empfinden? Und warum versuchen Hund, Katze oder Riesenkalmar dann nicht auch, ihren Schmerz zu überkommen? Haben wir diesen Lebewesen wirklich so viel voraus?


Ist es nicht eigentlich super, Gefühle zu haben? Und hatten diese meditierenden Brokkolis (unsere Lehrer) eigentlich jemals realen Schmerz in ihrem Leben zu bewältigen? Hat Herr Goenka und Co. je ein schlechtes Elternhaus oder Umfeld erlebt, in dem er gekränkt, erniedrigt, geschlagen oder sogar missbraucht wurde? Würde er dann die gleichen Übungen vorschlagen?


Herr G. Meint: Ja, genau diese Leute können in seinem Kurs das Meiste lernen.


Aber Herr. Gs. Ausführungen gehen noch weiter: Diese Übung soll uns auch klarmachen, dass in jedem von uns ein Verlangen nach mehr und ein Festhalten an dem, was wir als „Ich“ und „Mein“ definieren.
Und dieses Festhalten wäre falsch, denn es sei nicht der gottgegebene Weg.
Schon die Definition, die wir von „Ich“ und „Mein“ haben, sei unlogisch. Denn was sei „Ich“? Der Körper? Die Seele? Der Charakter? Ja, vielleicht sogar unser Besitz?


Stimmt. Zugegebenermaßen definieren sich heutzutage viele Menschen über ihren Besitz, weil es irgendwie besser ankommt, zu sagen: „Ich habe soviel Geld, dass ich mir das Haus, das Auto und die Yacht locker leisten kann“ als zu sagen: „Ich definiere mich über meine Persönlichkeit, weil ich versuche, nicht zu lügen, andere glücklich zu machen und der Gewalt und Aggression durch Nächstenliebe entgegenzuwirken“. Obwohl der erste Satz nichts aussagt, wird er von den meisten Menschen als positiv wahrgenommen, währenddessen letzterer oft belächelt wird.  Komisch, oder? Eigentlich müsste es genau anders rum sein...


Aber selbst Persönlichkeit scheint in Herrn Goenkas Welt keine Bedeutung zu haben, denn er findet, schon allein das Wort „Ich“ sei ein Verderbnis. Man solle sich lieber mit gar nichts identifizieren, weil ja sowieso alles vergänglich sei. Nur wer sich selbst nicht mehr wichtig nehme, könne den immer wiederkehrenden Zyklus von Leid durch Wiedergeburt durchbrechen.


Klingt nobel, zugegeben. Aber klingt leider auch wie ein unerreichbares Ziel.


Vielleicht will Gott uns doch einfach nur unser Leben genießen sehen, natürlich unter Beachtung von gewissen moralischen Regeln. Wenn Gott wollte, dass der Mensch sich als Person aufgibt, warum haben wir dann dieses Ich-Bewusstsein bekommen? Nur, um es zu bekämpfen?
Außerdem glauben einige Bevölkerungsteile dieser Erde ja noch nicht mal an Wiedergeburt, unter anderem auch ich. Da fällt sogleich ein wichtiges Nahziel weg.


6.Tag

Nachdem ich gestern die Entscheidung getroffen habe, dass ich den Kurs zu Ende bringe, aber für Dinge wie die völlige Aufgabe des „Ich“ und „Mein“ noch Zeit brauche, fühle ich mich heute morgen motiviert und erleichtert. Erstaunlicherweise kann ich mich bei der ersten bewegungslosen Meditations-Stunde auch ganz wunderbar konzentrieren. Die sonst bei mir immer-währenden Nackenschmerzen sind auch weg. Noch nicht mal die Knie tun weh. Komisch. Sollte das ganze Gefühle doch rein psychisch sein?


Der weitere Morgen verläuft gut, ich bin bestens gelaunt, bedingt durch das Erfolgserlebnis, eine Stunde still gesessen zu haben. Am Nachmittag wird's dagegen wieder problematisch. Durch die unheimliche Schwüle übertreffen sich die Fliegen mal wieder in Dreistigkeit.
Ich überdauere trotzdem ganze 45 Minuten regungslos unter etlichen Fliegenbesuchen auf Nase, Beinen, Ohren und Augenlid und bin stolz auf mich. In den letzten 15 Minuten empfinde ich starke Schmerzen in den Kniegelenken. Es macht mir aber nicht viel aus. Ich beginne nun, den Schmerz zu mögen. Erste Fortschritte...

7.Tag

Laut Herrn Goenka ändert sich ständig alles. Nichts bleibt, wie es ist.


So auch meine Laune.


Gestern morgen und Mittag super, gegen Abend mal wieder am Rande des Erträglichen, durchzogen von Misstrauen gegenüber der ganzen Einrichtung, zerfressen von Selbstzweifeln und genervt von den langen Arbeitsstunden.
Heute morgen nicht viel besser. Bis Mittag – starke Still-sitze-Aversion.


Nach dem Mittagessen spreche ich mit meinem Stoffhasen. Der Stoffhase kommt aus Vietnam und hing als Deko an einem Stoffrucksack, sodass ich ihn mitsamt des Rucksacks erstanden hatte.


Ein Glück ist mit Hasen reden nicht verboten. Nach dem Gespräch mit dem Hasen geht es mir besser.
Ich sage mir, gut!, wenn ich den Bodycheck nicht schaffe und die Energiewellen halt nicht durch meinen Körper fegen, dann bleibt halt alles so, wie es ist. VOR diesem Kurs war ich ja schließlich auch zufrieden mit meinem Leben!
Damit nehme ich mir einen großen Teil des Stresses von der Seele, den ich ja selbst verursacht hatte.


Erstaunlicherweise kann ich mich bei der Nachmittagssitzung wieder gut konzentrieren. Ich sehe zum ersten Mal meine Körperteile von innen. Das mit dem Flow klappt aber noch nicht.


Als Flow bezeichnet man es, wenn sich im Körper keine tauben oder gefühllosen Stellen mehr befinden. Wenn das der Fall ist, wird die Konzentration, die man von Körperteil zu Körperteil lenkt zu einem Energiefluss. Dieser Energiefluss verselbstständigt sich, sodass es sich anfühlen soll, als wenn einem einer einen Eimer Wasser über den Kopf schüttete.


Tag 9

Gestern war ein Tag mit Höhen und Tiefen, eigentlich wie alle Tage zuvor. Die Momente der Zufriedenheit kommen, genau wie die Momente der Frustration, in Intervallen.
Wobei die Momente der Frustration leider immer noch überwiegen. Ich habe sogar manchmal das Gefühl, ich hätte meine Aversionen nicht abgebaut, sondern geradezu gezüchtet. Dies wird bestimmt nicht nur mir so gehen, obwohl ich vermute, dass es bei kritischen Menschen wie mir ohnehin viel länger dauert, ihre Zweifel abzubauen.


Goenka's Lehre ist ja auch nicht erst seit diesem Kurs bekannt. Im Grunde lebt man diese Lehre automatisch aus sich selbst heraus, wenn man nur ein bisschen über den rechten Weg zu leben nachdenkt. Ich kann guten Gewissens behaupten, dass ich die Philosophie des Dhamma in den letzten Jahren ansatzweise gelebt habe, ohne aber je etwas über Dhamma oder Meditation gelesen zu haben.


Ein Fazit zu ziehen, ist schwer.
Es ist vielleicht sogar unmöglich, viele Dinge treffen zusammen, jeder Tag und jede Stunde ist anders, abhängig von Tagesform, Tageszeit, Sitzposition, Hitze, Kälte, Erfahrungen.
Die Rahmenbedingungen sind in Ordnung. Gutes Essen, weiches Bett, alles sauber.
Den Rest macht die Psyche und das Wenige an Input, was man so aufschnappt.


Heute zum Beispiel konnte ich mich konzentrieren, weil ich nicht mehr erwartete, dass ich zum Super-Erleuchteten werde. Ich hatte zwar immer noch keinen Flow, ich wartete aber auch nicht mehr darauf, sondern legte mehr Wert auf die Konzentration an sich, die bei mir immer noch nicht scharf genug ist. Allerdings bin ich mir sicher, dass meine Laune sofort wieder auf dem Nullpunkt wäre, wenn mir einer sagen würde, ich müsste noch weitere 10 Tage in dieser Einrichtung bleiben.


Abschließender Regelcheck (das sind Regeln, die wir zum Anfang des Kurses unterzeichnet und versprochen haben, zu befolgen):
  • Kein Tier töten: Gebrochen.
2 Spinnen: Unterlassene Hilfeleistung. Die eine fiel von selbst in den Wäscheeimer und ertrank, die andere wurde versehentlich beim Duschen fort gespült. 2 Mücken: Tötung im Affekt.
Ca. 20 Ameisen: Aus Versehen, Tasse drauf gestellt. Wer würde schon mutwillig einer Ameise etwas zu Leide tun? Ameisen sind nützlich und pflichtbewusster als so mancher Mensch.

  • Keine toxischen Mittel konsumieren. Gehalten.
  • Nicht sprechen.
Zählt jetzt der Stoffhase, oder nicht?

  • Nicht lesen, nicht schreiben: Gebrochen.
Ich habe dieses Tagebuch geschrieben.

  • Nicht lügen: Gebrochen.
Ich habe gelogen, indem ich geschrieben habe. Denn ich hatte vorher versprochen, nichts zu schreiben.







Sonntag, 18. April 2010

Vipassana Meditation Center, Kuantan, Malaysia

Es ist eine echte Extremsituation.
Ich befinde mich in Kuantan, Malaysia, von dem ich noch nichts gesehen habe, da wir uns direkt in ein 10-tägiges Meditations-Retreat begeben haben. Am 1., 2. und 3. Tag ist es mir nicht möglich, auch nur das Geringste auf zu schreiben. Man kann einfach keinen klaren Gedanken fassen! Man ist wie im Nebel – in totale Verwirrung getaucht. Davon ganz abgesehen, ist es verboten, zu schreiben. Aber diese Regel breche ich nun, da ich dokumentieren will, was in mir vorging.

Fangen wir von vorne an:
Der erste Tag beginnt für mich mit dem Schock des frühen Aufstehens. Um 4 Uhr ertönt der Weck-Gong. Um 4:30 Uhr müssen alle in der Halle versammelt sein zur ersten Meditation, die bis 6:30 Uhr andauert.
Mr. Goenka wird nicht zitiert und seine Lehre nicht von Anderen unterrichtet, auf das sie im Original und unverfälscht den Schüler erreiche. Wir sollen nun nicht mehr nur die Nase, sondern den ganzen Körper spüren. Dabei geht man geordnet vor. Erst Kopf, Gesicht, Hals, rechter Arm, linker Arm, Vorderseite des Körpers, Rückseite des Körpers, Beine und Füße.


Wer nun meint, ach was, man sitze doch eh den ganzen Tag faul herum und habe genügend Zeit zum Nachdenken und Entspannen, der irrt gewaltig!

Die ersten 3 Tage konzentriert man sich nur auf seinen Atem. Wie er in die Nase einströmt und wie er ausströmt.

Dabei ist es wichtig, dass man nur beobachtet und sich keine Gefühle dazu erfindet oder weg denkt. Man solle sich voll und ganz auf das Hier und Jetzt konzentrieren, auf die Gegenwart. Denn wir sind gewohnt, in der Vergangenheit und Zukunft zu denken und das sei nicht gut – so rät der Guru – denn wenn man nicht lernt, im Hier und Jetzt zufrieden zu sein, dann wird man es auch in Zukunft nicht sein.

So kommt es also, dass man am Tag 12 Stunden damit verbringt, seine Nase zu beobachten. Harte Arbeit.

Gegen die ungewohnte Situation rebelliert der Körper und der Verstand mit aller Kraft.

Denn wir sind nicht darauf trainiert, uns auf nur eine Sache zu konzentrieren im Zeitalter des Multitasking.

Unser Verstand wird täglich durch verschiedenste Ablenkungen, wie Fernsehen, laute Musik, Arbeitswelt und Motorenlärm immer schwächer und schwächer gemacht. Der Verstand ist derart verwirrt, dass wir die meisten Gedanken, die wir haben (die ohnehin unwichtig sind) noch nicht einmal zu ende denken. Geschweige denn, dass wir am Tagesende noch wüssten, was wir heute alles gedacht haben.

Nun kommt dieser durchlöcherte Verstand in die Situation, wo er sich 12 Stunden ohne größere Pausen konzentrieren soll.

Ohne Übertreibung – die ersten 3 Tage sind furchtbar. Man kann sich keine 3 Minuten am Stück konzentrieren, geschweige denn eine ganze Stunde. Derart viele Gedanken schießen einem durch den Kopf, dass man Angst hat, durchzudrehen. Diese Gedanken sind blödsinnig, nicht vollständig, meist von Ablehnung und Zweifeln durchzogen.

Man regt sich über sich selbst auf: Kann ich denn wirklich keinen klaren Gedanken fassen? Was soll all dieser Blödsinn in meinem Kopf? Bin ich am Ende doch nur ein schlechter, verbitterter Mensch, der nur Negatives denken kann? Warum komme ich nicht klar? Ich muss doch einfach nur an „Nichts“ denken!

Aber du kannst nicht an „Nichts“ denken, um keinen Preis der Welt.

Der Verstand ist voll von Aversionen. Er ist irritiert bis ins Äußerste, denn er muss zum ersten Mal seine gewohnten Bahnen verlassen.

Dazu kommen die körperlichen Beschwerden. Das lange Stillsitzen und die ungewohnte, aufrechte Haltung. Das frühe Aufstehen. Das Sprech- , Schreib- und Leseverbot. Der fehlende Ausgleich zum Feierabend – denn es gibt keinen Feierabend. Die Freiheit, sich zu bewegen. Das Gelände ist klein und darf nicht verlassen werden. Man kann einen gepflasterten Weg auf dem Gelände auf und ab laufen, was ich jeden Abend – aus lauter Not - auch tue. Die Berührung mit der Natur und ihre Nutzung als Energiequelle fällt so gut wie weg.

Manche Menschen scheinen natur- und freiheitsliebender zu sein, als andere. Jedenfalls scheint es den meisten nicht viel aus zu machen, dass sie sich den ganzen Tag nicht bewegen. Ich dagegen laufe den gepflasterten Weg auf und ab wie eine Ratte in einem zu engen Käfig.

Darüber hinaus sind weitere Regeln für Freigeister schwer erträglich: Die Abgabe sämtlicher Wertsachen inklusive das Ausweises. Das Gelände darf auf keine Fall vor den 10 Tagen verlassen werden. Die Passabgabe finde ich persönlich bedenklich: Denn wie soll man einem Meister vertrauen, der seinen Schülern nicht vertraut?

Der 3. Tag


Es ist so heiß, dass man beim Meditieren eigentlich nur mit Schwitzen und Sitzen beschäftigt ist – ein Gewitter zieht auf. Die Fliegen schwirren herum und setzen sich immer wieder hartnäckig auf die verschwitzte Haut. Die Mitmeditierenden husten und schnupfen, einige chinesische Kollegen rülpsen ungeniert. Die Luft steht.

3 Tage sind nun schon vergangen und ich habe das Gefühl, wir hätten noch nichts gelernt, außer unsere Nase zu beobachten. Aber diese 3 Tage haben ihre Berechtigung. In diesen 3 Tagen haben wir unseren Verstand darauf trainiert, sich auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren und allen anderen Gedanken keine Bedeutung bei zu messen. Beharrlich zu bleiben, Gedanken kommen und gehen zu lassen. Das Gefühl der Frustration, immer wieder an irgendwas denken zu müssen, weicht langsam aber sicher der Geduld und der Einsicht, dass Dinge Zeit brauchen und nicht erzwingbar sind.

Letztendlich wird der Geist ruhiger und die ganz wilden Gedankenblitze nehmen ab.

Der 4. Tag

Heute wir alles anders. Anfänglich lässt man uns wiederholt unsere Nase beobachten. Doch am Nachmittag gibt es eine neue Anweisung der Meisters per Videobotschaft.


Es ist wichtig, keinen Teil des Körpers unbeobachtet zu lassen. Dies würde verursachen, dass man grob von Reiz zu Reiz springt, was dazu führt, dass man die Konzentration nur auf die groben Reize des Körpers beschränkt.
Fortsetzung folgt....