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Donnerstag, 18. Februar 2010

Sapa

Nun sitzen wir hier und bibbern.
Sapa soll landschaftlich sehr schön sein – wenn man es denn mal zu Gesicht bekäme. Zwischen uns und Sapa wabert eine dicke Nebelwand. So dick, dass die Kamera nicht weiß, welche Entfernung sie messen soll.






Es ist nasskalt.

Als sie uns um halb fünf heute morgen aus dem warmen Zug warfen, wussten wir noch nicht, welche Odyssee uns bevor stand.
Wir stiegen halbschlafend in einen Minibus, der uns nach Sapa karrte. 

Sapa, 1600 m über dem Meeresspiegel. Im Bus hatte ich die Augen zu, draußen gab es eh nichts zu sehen, außer Nebel, und außerdem war es noch mitten in der Nacht. 
Die Höhenunterschiede merkte ich deshalb nur am gelegentlichen Knacken in den Ohren.

Um 6 Uhr erreichten wir unser Hotel. Wie zu erwarten war, waren die Zimmer noch nicht fertig, denn check out time war um 12Uhr. Also trollten wir uns zurück – zurück zum UNBEHEIZTEN Frühstücksraum. Die Crew wartete noch auf den nächsten Bus und so wurde es 7:30 Uhr, bis der erste Kaffee unsere Hälse erwärmte.



K, total durchgefroren, beim ersten Kaffe und warmer Suppe. 
Nach weiteren steif gefrorenen 2 Stunden kam unsere Führerin, ein Minoritäten-Mädel des Stammes der Schwarzen Hmong, die sich durch gute Englisch-Kenntnisse und das Verweigern einer Heirat im Alter von 16 hervorgetan hatte. Sie wurde begleitet von anderen Hmong-Frauen.

Wir starteten zu unserer Wanderung.

Nach einigen Metern erklärte uns unsere Führerin, dass selbst sie bei dieser feuchten Hundskälte nicht gern vor die Tür geht. Sie habe gerade zum Neujahr (das war vorgestern) neue Kleidungsstücke bekommen, die sie die Tage nach Neujahr tragen müsse. Durch die schlammige Straße würde aber die neue Kleidung sofort dreckig, was äußerst unschön wäre.

Die Kleidung der Hmong-Frauen ist wunderschön. Sie tragen selbst gewebte Stoffe, meist in gedeckten Indigo-Farben, mit bunten Applikationen bestickt. Dazu gehört ein halblanger Rock und gewickelte Gamaschen. Die Kopfbedeckung ist ein bunt-kariertes warmes Tuch, das sie allerdings von einer anderen Minorität, den Dzáy, übernommen haben. Dazu, je nach Alter mehrere schwere Silbercreolen in den Ohren. 



Hmong-Frau



Die Kleidung wird selbst gewebt, was ca. 1 ½ Wochen dauert. Die Faser, die sie benutzen, ist Marihuana, von dem sie jedoch nur die Stiele verwenden. Danach wandert der Stoff in den Färbe-Bottich, je länger, desto besser. Nach ca. 3 Monaten eingeweicht in Farbe wird der Stoff besonders schimmernd. Poliert wird der Glanz außerdem mit Wachs.
Da der Prozess so lange dauert, gibt es nur einmal im Jahr, zum Neujahr, 2 – 3 neue Kleidungsstücke. Die Farbe ist nicht farbecht, und so haben die Frauen nach Neujahr immer blaue Handflächen, wenn sie ihre Tracht anfassen.

Mit den Hmong wanderten wir zum Dorf der Dzao. Die Dzao sind daran zu erkennen, dass sie ihre Stirnhaare ausreißen und über die nun ziemlich hohe Stirn ein hellrotes Tuch ziehen.



Dzao-Frau.

Was allen gemeinsam war (außer unserer äußert netten, intelligenten Führerin)  - alle waren „good friends“, solange man vorgab, irgendwelche Waren von ihnen erstehen zu wollen. Nachdem ich meiner zuständigen Dzao-Frau allerdings gleich zu Anfang erklärte, das das Wort „Freund“ nicht gleichbedeutend mit „ich krieg Geld von Dir“ zu verstehen ist, erklärte sie mir denn auch: „Yes, I get money – I'm good friend. I get no money – I'm bad friend!“... Aha.


Dann kauften wir aber doch noch was. Und zwar bei den Dzáy. Dem dritten Minoritäten-Dorf. Und zwar die selbe Kopfbedeckung, wie die Hmong von den Dzáy abgeguckt haben....























Nachmittags im Hotel dann, froren wir uns wiederum den Arsch ab, um dann doch noch abends eine nette Kneipe zu entdecken, in der sie KAMINOFEN und Dalat-Wein hatten.

Überglücklich schlürften wir nun unseren Wein und erfreuten uns der auftauenden Glieder.





K und ich auf einer Wanderung rund um Sapa. 






Montag, 15. Februar 2010

Chuc moung nam moi heißt "Prost Neujahr!"

Wir befinden uns nun in Hanoi.
Ein guter Ort, um Sylvester zu feiern. Das Letzte hatten wir ja verschlafen, nachdem wir total entkräftet auf dem höchsten Hügel Ko Changs angekommen waren und es gerade noch rechtzeitig geschafft hatten, Holz für das Feuer zu sammeln und unsere Liegeflächen mit dem Buschmesser zu roden, bevor es dunkel wurde.

Am 14.02. beginnt das Jahr des Tigers. Für die Chinesen und auch für die Vietnamesen.
Das Chinesische Neujahr, genannt auch TET. "Chuc moung nam moi"- Schilder an allen Häusern, was soviel heißt wie "Prost Neujahr".

An den Tagen vor Neujahr sind einige interessante Aktivitäten im Gange.
Dass zu dieser Zeit keine Sitzplätze in Bus und Bahn mehr zu bekommen sind, wussten wir ja schon aus eigener Erfahrung. Man fährt heim. Und zwar ausnahmslos. Der erste Tag des Neujahrs gehört der Familie und engsten Freunden. Vor dem Fest kleidet man sich neu ein, versucht, seine Schulden zu begleichen, Streit beizulegen, sich aller Altlasten zu entledigen.

Dann geht’s darum, noch einen halbwegs passablen Neujahrsbaum zu erhaschen. Der Neujahrsbaum ist meist ein Mandarinenbäumchen, ein Blütenbaum oder Osterglocken gehen auch.
Prinzipiell symbolisiert der frische Zweig den Neuanfang.

Hierzu ein paar Fotos, die nach einem halben Tag an der Strasse entstanden sind, in dem wir uns nur auf die Mandarinenbäumchen konzentriert haben:




















Silvester läuft so ab: Jeder holt seine beste Garderobe aus dem Schrank, Frauen ihre steilsten Schuhe – und dann wird ausgegangen. Die Restaurants füllen sich bis zum Anschlag, das Personal hat Streß wie niemals sonst und es ist so laut, dass man sich selbst nicht reden hören kann.

Um 23:45 Uhr drängen alle auf die Straße - in Hanoi versammelt sich alles um den See herum. Dabei ist zu Fuß gehen mega-OUT und wegen der hohen Absätze meist auch gar nicht praktikabel. Also wird mutig mit dem Motorbike auf die Menge zugehalten. Dass andere noch atmen wollen, wird dabei leicht vergessen.




Um 0:00 Uhr schaut man das Feuerwerk an und ruft dabei laut „oh“ und „ah“. Danach beeilt man sich aber, noch Hause zu kommen, denn nun kommt der wichtige Teil:
Man erwartet den ersten Gast in seinem Haus und dieser entscheidet über Freud und Leid im kommenden Jahr.
Auf dem Weg nach Hause wird noch schnell ein frisch geschnittener Zweig gekauft, der bringt die Frische und den Fortschritt mit nach Hause und entwickelt sich vielleicht zu einem Baum.
Wer nun als erster über die Schwelle geht, ist entscheidend. Dabei kommt es auf das Sternzeichen des Gastes und das Gastgebers an.

Ist zum Beispiel der Gastgeber von Sternzeichen Ratte und der erste Gast ist Tiger, dann ist das nicht gut, weil Tiger Ratten fressen.
Besser ist es, wenn eine Ziege (Karina ist Ziege) reinkommt, die tut keinem was und frisst nur Grünzeug. Außerdem bringt sie Erfolg in schwierigen Situationen (Ziegen können sich in schwierigem Gelände bewegen) und Geduld.
Schlecht ist es, wenn ein Drache reinkommt (ich bin Drache), denn der frisst so ziemlich jeden und will alle beherrschen.


Ich stelle mich also hinten an, um kein Unglück zu provozieren.
Aber unseren Hoteliers zu Folge, ist es in Hotels egal, wer als erster reinkommt...Großes Aufatmen.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Halong Bay

Hach! Halong-Bay!
Davon träumt jeder Vietnam-Tourist. 

Romantische Sonnenuntergänge in einsamen Buchten, umgeben von schroffen Karstfelsen. Dazwischen ein paar Fischerdörfer. Menschen, die auf und mit dem Wasser leben, auf Floßhäusern, Menschen, die so wenig haben und trotzdem glücklich sind!!!

Und nun die Realität: 
Frau Puong überredet uns zu einer 3-Tages-Tour, für die wir $65 zahlen. Wir werden morgens um 7:30 Uhr abgeholt und mit anderen schläfrigen Touristen in einen Minibus gesetzt.

Wir können nun unser Gehirn ausschalten, schließlich haben wir dafür bezahlt, mal 3 Tage nicht denken zu müssen. 
Der Tag ist voll durchorganisiert und jegliches Selbst-Agieren würde den Reiseführer in eine Krise stürzen, dieser ist nämlich nur auf den üblichen Fragenkatalog vorbereitet wie zum Beispiel: "Wann kommen wir an? Was sehen wir heute? Können wir unser Gepäck im Bus lassen? Wie lange dauert die Pinkelpause?"
Nach Ankunft im Hafen von Halong City werden wir auf eines der ca. 200 Boote gebracht, die dort vor Anker liegen und sich alle zum Verwechseln ähnlich sehen. An diesem Tag wird die Landschaft bestaunt und eine Höhle besichtigt. 












Mit an Bord sind 3 chilenische Mädels, ein vietnamesisch-französisches Pärchen und ein Pärchen aus Wales.

Am nächsten Tag steht Wandern auf dem Programm. Wir fahren nach Cat Ba, eine der größeren, bebauten Inseln der Halong Bucht und laufen dort im Nationalpark auf einen Peak hinauf.


Dort lernen wir auch J. kennen, einen Dänen aus Kanada, der aussieht wie ein Texaner (wegen seines Cowboy-Hutes, ohne den er gleich 20 Jahre älter aussieht). J. Wird uns die weiteren 2 Tage rund um die Uhr und ohne größere Pausen zuquatschen. Aber nett ist er doch irgendwie....


Nach dem anfänglichen Schock, den man erfährt, wenn man sieht, wie massentouristisch diese Tour aufgezogen ist, muss ich aber doch sagen, diese Tour war ihr Geld voll und ganz wert.
Mit den Mitreisenden hatten wir super viel Glück, denn die waren alle nett und interessant, außerdem war die Landschaft trotz der Vielzahl von Booten einfach spektakulär.






Samstag, 6. Februar 2010

04. - 06.02.2010: Von Hoi An nach Hanoi

„Wir sitzen über unserem vietnamesischen Süßmilchkaffee und versuchen, einen klaren Gedanken zu fassen, während die Angestellte des Astoria-Hotels, nennen wir sie Frau Phuong, uns in einem ununterbrochenen Redefluss erklärt, welche Touren in die Halong Bucht sie im Angebot hat. Offenbar zeigen wir kaum Reaktion, denn sie fügt, leicht beleidigt, hinzu, dass sie uns nur helfen könne, wenn wir unsere Pläne und Wünsche offen legten. Diana darauf, leicht gereizt (Kaffee-Pegel noch zu niedrig), dass sie gern ihre Pläne diskutieren würde, wenn sie denn einmal zu Wort käme. Wir wählen dann eine dreitägige Tour, in der Hoffnung, dass Frau Phuong, absorbiert von dem notwendigen Papierkram, für einen Moment still wäre.“ ...Auszug aus K's Blog: Halongbucht - eine Pauschalreise.

Zwischen Hoi An und Hanoi liegen 780 km. 
Wir überlegten: Bus oder Bahn?
Mit Bussen in Vietnam hatten wir im Grunde gute Erfahrung gemacht. Der von uns bei der Fahrt von Saigon nach Dalat gebuchte Liegebus war sehr komfortabel, also da konnte man nicht maulen.
Nichtsdestotrotz entschieden wir uns für die lange Strecke gegen den Bus und für den Zug, da die Fahrt ja nun mal um die 16 Stunden dauern sollte und wir uns die Nacht im Zug vergleichsweise erholsamer vorstellten.

Runter vom Berg und bis zum nächsten Bahnhof in Na Thrang (ca. 5 Stunden) gings aber dennoch mit dem Bus. Wieder ein Liegebus, hach schön – wie gemütlich! Bestens gelaunt streckten wir unsere Beine auf den Liegesitzen aus, ich oben, K. auf dem unteren Sitz, und vertieften uns genüsslich in unsere Bücher.
Nach einer gewissen Zeit im Bus blickte ich auf. Zum Lesen ruckelte es zu stark, aber dafür war die Landschaft draußen atemberaubend. Eine tolle Berglandschaft mit engen Serpentinen, zum Teil geteert, zum Teil Sandpiste. Als wir nach etlichen Stunden die bergigste Etappe der Tour hinter uns liegen hatten, hielt der Busfahrer zur wohlverdienten Rast.

Schon die letzten paar Kilometer war uns ein starker Geruch nach verbranntem Gummi aufgefallen und nun beim Aussteigen kam auch noch der Qualm hinzu.
Die Passagiere kümmerte das wenig. Jetzt hatte erstmal jeder Hunger und wollte aufs Klo.
Der Busfahrer, ganz unbeeindruckt von Qualm und Gestank, übergoss derweil routiniert unsere Hinterräder mit kaltem Wasser, um die Bremsen zu kühlen.
Als wir gerade dankbar unsere erste Stäbchenladung Reis mit Hühnchen zum Mund führten, ertönte ein ohrenbetäubender Knall... und zwar aus der Richtung des Busses.

Nicht schwer zu erraten, was passiert war. Der Busfahrer hatte die glühend heißen Bremsen und Reifen mit kalten Wasser übergossen, daraufhin ist der Reifen explodiert. 
Und so scharten sich alle Passagiere in sicherem Abstand um den Bus herum, um das Malheur zu begutachten und mögliche Verbesserungsvorschläge von sich zu geben. Ganz zu unser aller Erstaunen tat der Busfahrer, auch hier ganz routiniert – nichts. Anscheinend war nur ein Reifen der 2 Zwillingsreifen geplatzt und man sah auch erstmal nichts.
Misstrauisch stiegen alle nach Ende der Pause wieder zurück in den Bus. Wie sich nach den ersten Metern herausstellte, war der Bus durchaus noch fahrtüchtig und man konnte fast meinen, es sei nichts passiert, wären da nicht die Holzsplitter auf unseren Sitzen und ein ca. 60 cm großes klaffendes Loch im Busboden gewesen.
Nach der Explosion an Bord war für einige Passagiere, darunter auch K, der gemütliche Teil der Reise zu Ende, weil ihnen unentwegt der Staub der Straße ins Gesicht blies, der durch das Loch im Boden des Busses seinen Weg ins Innere fand.

Das war also der erste Teil unserer Reise nach Hanoi, der zweite Teil stand uns noch bevor. 16 Stunden im Zug.

Zugfahren – ja, das ist viel besser. Man kann aufstehen, wann man will, herumlaufen und ins Bad gehen, wenn man lustig ist. 
Dass wir keine Schlafwagenplätze mehr bekamen, weil wegen des TETs (Chinesisches Neujahr) alles ausgebucht war, störte uns nicht weiter. 2. Klasse mit Liegesitzen war ja bestimmt auch nicht schlecht.

Denkste.


Man kann nur schwer ermessen, wie viel Dreck so ein kleiner Vietnamese machen kann, wenn man das Schauspiel nicht einmal live beobachtet hat. Vietnamesen auf dem Weg zum Heimaturlaub. Äußerlich haben sie sich schick gemacht, man will ja schließlich nicht total verlottert zu Hause bei der Familie aufschlagen. Das ändert aber nichts an ihren Essgewohnheiten.

Als wir in den Zug kamen, waren Tische und Boden bereits unübersehbar mit klebrigen Flüssigkeiten und Müll überzogen, sodass man zunächst zögerte, seine Tasche unter dem Sitz zu verstauen. Leider gab es keine andere Möglichkeit wegen Platzmangels und ständig kreuzender Kaffee-, Tee-, Süßes- und Getränkewagen. Außerdem war man für jeden cm mehr Platz zum Beine ausstrecken dankbar, also ab mit dem Sack in den Dreck unterm Sitz.


Wir hatten noch Glück, denn uns gegenüber saßen 2 extrem kleine und dünne Vietnamesinnen mit Atemmasken auf den Gesichtern, die nicht spuckten, nicht nach Schweiß rochen, nicht die Nase hochzogen und nicht ihren Abfall einfach unter sich warfen, um dann nach einer Weile alles mit den Schuhen in verschiedene Richtungen zu schmieren.


Im Zug


Aber nein, es war nicht alles schlecht - die Landschaft war großartig. 

Ja, das ist der selbe Zug, indem wir sitzen. Die sind hier so lang...




Schließlich kamen wir nach 16 langen Stunden auf Sitzen, die man nicht kippen konnte, weil der Hintermann sonst Blutstau in den Beinen bekommen hätte, an. Es war 4:10 Uhr. Der Vorteil dieser Urzeit: Es gab Taxis zur Genüge und die üblichen Schlepper waren noch zu müde, um uns ein ausgiebiges Verkaufsgespräch ans Ohr zu heften.
Im Hotel angekommen, klingelten wir das Personal raus, das ein Glück gleich hinter der Tür auf Matratzen nächtigte. Leider konnten wir zu dieser Zeit nicht einchecken und so hingen wir weitere Stunden halb schlafend in der Lobby rum, bis unsere Zimmer um ca. 11:15 endlich bezugsbereit waren .
Ja, und dann kam auch schon Frau Puong...