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Montag, 16. August 2010

Bangka Island

Die Inselgruppe Bangka Belitung, östlich von Sumatra gelegen, fällt vor allem dadurch auf, dass es hier nicht viel zu sehen gibt. 




Im Lonely Planet sind gerade mal 2 Seiten über die ganze Inselgruppe vorhanden. Pankal Pinang, weil dort der Flughafen ist, Sungai Liat, weil es dort Strände gibt und Mentok, weil es dort ein wenig kulturelles Handwerk gibt.

Ich wohne in Sungai Liat, im Haus der älteren Schwester von D. Das Haus ist schön, der einzige Makel ist, dass es - wie so oft in Indonesien - nicht möglich ist, sich in normaler Lautstärke zu unterhalten, wenn draußen auf der Hauptstraße die aufgetunten Mopeds Vollgas geben.

Nie zuvor habe ich etwas so hassen gelernt, wie das schrille Motorengeräusch dieser Motorradfahrer! Die sich ihr altes Vehikel extra noch lauter stellen müssen und vorzugsweise im ersten Gang mit Vollgas durchs Dorf rasen, um aufzufallen. Es gibt nichts Geistloseres, Bestußteres, Verblödeteres, Unterbelichteteres!

Nachts lege ich mir Kissen auf den Kopf, aber der Verkehrslärm bohrt sich trotzdem in meinen Kopf und zerrt an den Nerven.

D. meint es gut, kennt sich aber auf der Insel nicht besonders gut aus.
In den ersten Tagen auf Bangka lasse ich aus Höflichkeit meine Bücher im Rucksack, immer noch voller Hoffnung, bei D. auf verborgene Interessen zu stoßen. Dieses Unterfangen gebe ich aber im Laufe der Zeit auf, da sich einfach kein halbwegs intellektuelles Gespräch ergibt währenddessen ich das Gefühl habe, mein Gehirn werde schon ganz porös vom Nicht-Nachdenken.

Diese eine Woche auf Bangka kann man dann wohl getrost als Tiefpunkt meiner Weltreise bezeichnen. 

In Indonesien haben mich viele Dinge einfach geschockt. Vor allem die totale Abkopplung von der Natur. Die Gedankenlosigkeit der Bevölkerung gegenüber dem Thema Müllentsorgung und -Vermeidung lag mir schwer im Magen. Genauso wie der ständige Gebrauch des Motorrads, das überall mit hingenommen wird. Das Motorrad macht jede Art von Kommunikation unmöglich und raubt einem das Gefühl, irgendwo gewesen zu sein, weil es die Atmosphäre und den Frieden der an sich schönen Orte von Anfang an zerstört.

Einen Tag besuchten wir ein Freibad, eine Art Ausflugsziel für Indonesier auf Bangka, in dem es heiße Quellen gibt und fanden was vor?
Natürlich – einen Zoo für die lieben Kleinen, in dem unter anderem ein Seeadler und ein Kragenbär zu bestaunen waren. In Minikäfigen, verdreckt bis zum Kragen!

Der Seeadler hatte es noch gut, sie hatten ihm seinen Betonboden mit einer Schicht Wasser geflutet, sodass er in der prallen Sonne wenigstens vom Meer träumen konnte.


Der Seeadler wurde, wie alle anderen Tiere auch, in Einzelhaft gehalten - ohne jegliches Grün oder Beschäftigungsmöglichkeiten in den Käfigen und auch ohne Schatten.

Der Kragenbär hingegen, dessen Bewusstsein an dem Punkt der Verzweiflung verharrt, sucht ohne Pause das Gehege nach Sicherheitslücken ab, um zu entkommen – wahrscheinlich ein Wildfang.


Dieser Tag war sehr schwierig für mich. Das Elend der Tiere allein war schon schlimm genug. Dass die Leute sich aber noch darüber freuen, so etwas an zu schauen, ist sehr sehr traurig. 

Sunglai Liat ist noch der schönste Ort der Insel. Hier gibt es eigentlich schöne Strände, die aber zugemüllt sind, weil es wegen der paar Touristen keiner für nötig hält, den Strand sauber zu halten. 

Schade um die Landschaft. Die Strände sind vermüllt. 

Trotzdem bleiben aus ungewissen Gründen die Touristen aus, die es früher jedoch gegeben haben muss, denn es gibt etliche große und teure Resorts, die aber nun alle fast leer stehen.
Ein Grund soll sein, dass die Fähre von Bangka nach Battam (nahe Singapur) eingestellt worden ist und die Insel nun schwerer zugänglich ist.
Laut D. ist der Grund für das Ausbleiben der Touristen, dass die Preise in den letzten Jahren merklich gestiegen sind, z.B. für Lebensmittel wie Fisch. Fisch wurde früher auf lokalen Märkten verkauft, jetzt aber von der Regierung aufgekauft und nach Singapur weiterverkauft, was eine Verknappung auf Bangka zur Folge hat.

Ein anderes Problem ist der fast völlig zum Erliegen gekommene Abbau von Zinnerzen. Die größte Firma, PT. Tambang Timah hat sich zurückgezogen, da der Zinnpreis gefallen ist und sich so der Abbau nicht mehr lohnt.

Zinnerzabbau. Die Leute buddeln privat auf dem schon stillgelegten Gelänge rum. Es ist gefährlich, weil der Boden porös ist und man einsinken kann (was mir sogar passiert ist). 

























Auf privater Basis gehen einige Bewohner zu den alten Abbau-Plätzen und sieben den Sand nun per Hand aus. Für ein Kilo Zinn gibt es ca. 40.000.- Rupies, umgerechnet knapp 4 Euro, bei Verkauf nach Singapur sogar 60.000 – 80.000.-






Samstag, 7. August 2010

Bogor - Wo der Jakartarianer Urlaub macht

Nach der harten Zeit in Jakarta kommt mir Bogor wie das Paradies vor.

Das Öffnen des Hotel-Fensters zum Beispiel: Nicht immer zwangsläufig eine gute Erfahrung, denn frische Luft und Ruhe sind in Indonesien ein Luxusartikel.
Erfreulicherweise ist hier in Bogor Luft vorhanden, denn die Stadt liegt 290m über dem Meeresspiegel und 60km von Jakarta entfernt.

Aber jetzt erstmal zur Anreise:

Ich fahre mit Didit, der in Jakarta wohnt, wenn er nicht gerade auf der Pelni-Fähre arbeitet. Didit hat ein Auto in Jakarta stehen, aber keinen Führerschein...
Zu dem Zwecke, nach Bogor zu kommen, holt er das Auto vom Wohnort seiner Familie ab, was allein schon ca. 5 Stunden dauert, denn der Straßenverkehr in Jakarta ist mörderisch. Sein Nachbar kommt als Fahrer mit.

Wir brechen also auf nach Bogor. Die Fahrt verläuft problemlos, bis auf einmal die Motortemperatur unerwartete Höhen erreicht. Es muss angehalten werden und Kühlwasser aus dem nahe gelegenen Bach nachgefüllt werden. Kein großes Problem, nach einer halben Stunde kann es weiter gehen.

In Bogor angekommen, gibt der Motor abermals auf. Bei jedem Versuch, mit dem Traktorschaltknüppel den Gang zu wechseln, geht der Motor aus. Die javanische Art zu fahren macht sich nun hinter uns bemerkbar – es wird gehupt und gedrängelt, was das Zeug hält.



Mit letzter Kraft ächzt der Wagen auf den Hof einer Reparaturwerkstatt.
Dort reparieren sie emsig über eine dreiviertel Stunde etwas, was sich im Nachhinein nur als Auswechseln der Kühlflüssigkeit herausstellt.


Auf einmal ist der Fahrer weg. Es wird langsam spät. D. hat ihn heimgeschickt, denn es war abgemacht, dass ich weiter fahre (wovon ich vorher nichts wusste).


Als wir vom Hof rollen, voll rein in den wahnsinnigen Straßenverkehr, kommt die Kupplung nicht.

Soviel zur Reparatur.


Vor allem ist bei diesem Auto alles auf der falschen Seite: Gangschaltung links, Blinker rechts, Scheibenwischer links, Lichts rechts. Linksverkehr.


In den ersten Minuten haue ich den Öfteren mit der rechten Hand gegen die rechte Scheibe, weil ich schalten will...

Aber soweit kommt es ja vorerst nicht...
Wir kommen nämlich keinen Meter voran, der Wagen säuft ab, sowie er Gas bekommt.

Also mit letzter Kraft abermals auf den Hof einer Werkstatt gerollt.


Die reparieren geschäftig, zeigen uns alte und neue Zündkerzen und Benzinleitungen und tauschen und wechseln dies und das. Nach 3 Stunden stellt sich heraus: Sie haben das Richtige ausgetauscht – der Wagen fährt jetzt.

Allerdings ist es jetzt dunkel, es regnet in Strömen und wir haben natürlich noch kein Hotelzimmer.

Ich kämpfe mich also durch den Verkehr, wie gesagt, alles auf der falschen Seite. Die Scheibe beschlagen, Regen, Smog, Krach, Dunkelheit und hinter uns heranrasende Motorräder, die sich wie eine Flüssigkeit kurz hinter dem Wagen entzweien und rechts und links vorbei fließen.


Nach dem ersten Hotel, was D. wusste, das aber ausgebucht ist, verfahren wir uns und kommen wieder zurück auf den Highway. Also dann – Regen, Dunkelheit, beschlagene Scheiben, Krach, Smog, alles auf der falschen Seite UND Autobahnauffahrt von rechts nach links....Ich bin bedient.

Nach 3 Stunden und ca. 10 Hotels, die alle ausgebucht sind, finden wir endlich ein Zimmer in einem schäbigen „Sterne-Hotel“ und fallen todmüde in die Betten.


Aber nun zum erfreulicheren Teil: 

Bogor selbst ist generell eine Reise wert, nur würde ich wärmstens empfehlen, den komfortablen Weg per Bahn bei Anreise aus Jakarta zu wählen. Der Taxifahrer weiß dann auch die Hoteladressen und man muss nicht selber suchen...

Da die Stadt hügelig ist, hat man an vielen Punkten eine tolle Aussicht in das Tal.





Das Must-See in Bogor ist der botanische Garten. Ein beliebtes Ausflugsziel für Ruhe suchende Jakartarianer. Sie kommen her, um durch den Park zu wandeln, Fotos zu machen oder auch nur, um einmal saubere Luft atmen zu dürfen. 

Das Highlight des Parks, das zoologische Museum, ist interessant, weil dort alle indonesischen Tierarten in ausgestopfter Form gezeigt werden.



Vor allem der Überblick über die hiesige Rattenpopulation hat es mir angetan. Das Gleiche gibt’s übrigens auch für Kakerlaken.


Überblick über die Rattenarten Indonesiens. Bogor ist eine Reise wert. 



Donnerstag, 5. August 2010

3 Tage Jakarta - Überleben im Molloch

In seinem eigenen Blog möchte man ungern maulen...schon allein, um unter seinen Lesern keine schlechte Laune zu verbreiten.

Ich werde es so verpacken: K. und ich haben uns geopfert und sind freiwillig nach Jakarta gereist, um uns das Molloch mal anzuschauen....allerdings war es kein großer Spaß....

Mein Tip: Jakarta meiden! Die Jalan Jaksa steht im Lonely Planet und ist noch die angenehmste Zone der Stadt. Hier, in der Backpackermeile Jakartas, befinden sich muffige, kleine Guesthouse-Zimmer, meist ohne Fenster und mit schlechter Klimaanlage. Das Personal lungert mit Vorliebe auf dem für Gäste vorgesehenen Balkon rum und telefoniert mit seinen Freundinnen, was wenig Platz und Gelegenheit zur Konversation unter den übrigen Gäste lässt.

Wir haben übrigens in Bloemstein Guesthouse, Jalan Jaksa, Gang 1 gewohnt. Die übrigen Guesthouses sind teurer, aber auch nicht viel besser.

Ansonsten sei die Mundschutz-Maske stark angeraten!
Trotz der schon geradezu lebensfeindlichen Bedingungen in den Straßen, eine Verschmutzung durch Abgase und dazugehöriger Lärm, die ihresgleichen suchen, trägt hier komischerweise niemand Mundschutz. Vermutlich ist die Botschaft, dass Kohlendioxid in rauen Mengen krank macht, hier in Indonesien noch nicht angekommen. 
Man merkt halt doch Unterschiede von Land zu Land – die schlauen Vietnamesen zum Beispiel fahren zwar auch alle Motorrad, aber vermummen sich dabei derartig, dass man sie nur an den unterschiedlichen Mützen und Mundschutz-Designs identifizieren kann.

In Jakarta dagegen ist Luftverschmutzung kein Thema. Gegessen wird mit Vorliebe an der Straße, wo man sein eigenes Wort nicht versteht und die Zweitakter Bajais (3-Rad-Motorradtaxis) den Grillfisch in blaue Rauchschwaden hüllen. Die ganz Coolen stecken sich noch im größten Smog lässig ihre Zigarette an.

Es gibt hier auch nicht viel Bilder. 
Wir waren einen Tag in einem Erlebnispark, nur um dem Lärm zu entkommen. 

Monitorlizzard als Aussichtsplattform. Irgendein Park, Jakarta.
Übel auch, was sie mit dem Regenwald machen...

Da liegt er nun  - der tote Baum. Und mit ihm ging ein weiteres Stückchen unserer Tierwelt, unseres Klimas und unserer Luft zum Atmen.



Donnerstag, 29. Juli 2010

Solo, Java: Wir fressen uns durch alle Warungs

Von der schönen Vulkan-Landschaft Bromo fahren wir mit dem Zug weiter ins Flachland nach Solo, dass 65km entfernt von Yogyakarta liegt.
Der Schienenverkehr auf Java funktioniert einwandfrei – so mancher Zug und Bahnhof ist komfortabler als in Deutschland und natürlich gibt es hier Leute, die einem das Gepäck tragen... Im Zug gibt es Speisekarte an den Platz und man kann in Ruhe sein Menü auswählen, dass natürlich auch an den Platz geliefert wird. Wahlweise kann man auch von den zahlreichen Verkäufern leckeres Essen erstehen, die bei jedem Halt des Zuges in den Zug gelassen werden.
Ach ja, noch was... Die Klimaanlagen funktionieren einwandfrei, auch über 32°C Außentemperatur – es herrschen eisige 18°C im Zug. Da kann sich die Deutsche Bahn bei so manchen Service-Ideen noch 'ne Scheibe abschneiden...

Da wir in Begleitung zweier ortskundiger Freunde sind, müssen wir hier nicht viel machen, außer ins Guesthouse einchecken und morgens zum Frühstück aus der Haustür fallen. Solo erweist sich da als Paradies für leckeres Essen zu jedes Tageszeit. 

Neben angenehmen Wohnen und tollem Essen gibt’s auch noch richtig was zu sehen! Es gibt hier alle möglichen Handwerkskünste, wie Reiskräcker-Herstellung, Arrak aus Palmsaft, Tofu, Gamelan.

So 'ne Fahrrad-Tour ist lustig und zu empfehlen. Wird überall in der Stadt angeboten und von fast jedem, der 2 oder 3 Fahrräder zu Hause stehen hat. Ein Tag auf dem Fahrrad mit gemütlicher Fahrt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit kostet ca. 70.000.- Rupies pro Person, die sich wirklich lohnen.


Hier in diesem Album seht Ihr die Produktion von Tofu, Arrak, Reiskräckern und mehr anhand der Fotos Schritt für Schritt erklärt. 

Vor allem die Tofu-Produktion hatte es mir angetan...





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Dienstag, 27. Juli 2010

Mount Bromo, Java - K. und ich tanzen auf dem Vulkan

Nach so vielen ruhigen Tagen auf Bali wollen wir nun endlich wieder Abenteuer! 
Da K. Abenteuer mit frühem Aufstehen und Rumlaufen ohne Frühstück verbindet, entscheiden wir uns für Bromo als unseren ersten Stopp.

Bromo ist ein Bergdorf im Osten Javas, das als beliebtes Ausflugsziel unter Indonesiern rangiert, weil es sehr hoch gelegen (ca. 1800m, geschätzt) und deshalb luftig und kühl ist. 

Ich bin prinzipiell schlecht drauf, wenn ich früh aus dem Bett muss, da hilft der beste Vulkan nichts. Außerdem hätte man den Vulkan genauso gut mittags sehen können, vielleicht sogar besser. Und es wäre wärmer gewesen. Egal, nun sind wir hier...

Die Landschaft ist wirklich einmalig. Trotz des frühen Aufstehens und des nicht stattgefundenen Frühstücks kann ich mir eine gewisse Begeisterung für den Ort nicht verkneifen, als wir auf der Aussichtsplattform alle vier Vulkane auf einmal sehen können, nämlich den Mount Bromo (2329m), den Mount Kursi (ja, wie arabisch für Stuhl, weil er eine abgeflachte Form hat), Mount Batok und Mount Semeru (3676m). 


Es ist noch zu früühh!




Endlich kommt die Sonne raus. Mt. Bromo (vorne links, rauchend), Mt. Semeru (der große hinten rechts), Mt. Kursi (der abgeflachte) und Mt. Batok (vorne).

Naja, schön, ich gebe zu, dass es hier oben nicht so schlecht ist, und wenn ich nachher auch noch ein leckeres Frühstück bekomme, ist die Welt ja wieder in Ordnung....

Als wir durch die Steinwüste am Fuße der Vulkane zum Mount Bromo fahren, habe ich dann schon ein Bakso-Suppe intus und fühle mich bedeutend besser. 

Der Mount Bromo ist 2329 m hoch und bequem durch einen kurzen ca. 30-minütigen  Spaziergang und angeschlossene 253 Stufen, die hinauf zum Krater führen, zu erreichen. 




Das Interessante am Mount Bromo ist, dass er bis heute aktiv und der Aufstieg sehr einfach und noch für den faulsten und dicksten Touristen zu bewältigen ist. Zu meinem Entzücken gibt es am Fuße des Berges Pferde zu mieten, die einen die 500m bis zu den Treppen bringen. Da bin ich natürlich dabei, obwohl es schon ziemlich teuer ist - aber dem Pferd gibt man ja gerne mal 'ne Rupie mehr.




Mount Bromo von innen.
Fazit: Bromo ist, wie ich finde, eines der interessantesten Ausflugsziele überhaupt. Wir hatten leider nur einen Tag zur Verfügung, aber auch mehrere Tage würden sich lohnen, wenn man ein Fan von Dorfleben und Wanderaktivitäten ist.


Hier die Fotos:
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Sonntag, 25. Juli 2010

Abschied von Bali

Oh mann, waren wir lange auf Bali....fast 2 ½ Monate mit kurzen Unterbrechungen. Nun bin ich aber froh, dass wir endlich mal weiter kommen.


Das, was ich aus Bali am meisten vermissen werde, ist ohnehin Sam. Aber ich weiß ja jetzt, dass ich mir um ihn keine Sorgen mehr machen muss. Er hat es geschafft, seinen Weg zu finden und wir haben mit dem Besuch unsere Freundschaft erfolgreich erneuert.
Es macht mich stolz zu sehen, wie viel er in den letzten 7 Jahren, in denen wir uns nicht gesehen haben, dazugelernt hat, wie genau er nachdenkt, wie genau er beobachtet, wie überlegt er handelt – stets verantwortungsvoll, mit einem guten Motiv, nie selbstsüchtig, nie unfair.

Kuta als Aufenthaltsort dagegen werde ich nicht vermissen – denn wie in so vielen Orten Indonesiens ist es hier viel zu laut, zu viele Motorräder und schreiende Menschen auf den Straßen. In Kuta kommt noch dazu, dass zum Beispiel in den „Touristen – Gassen“ wie Poppies Lane, die ohnehin schon so schmal sind, dass man sich schon als Fußgänger gegenseitig Platz machen muss, die Motorräder hin und her rasen, sodass man sein eigenes Wort nicht versteht – geschweige denn sich mal in Ruhe in einem der vielen offenen Shops umsehen möchte. Meist hat man noch nicht mal die Möglichkeit, vor dem Laden stehen zu bleiben, weil man schon dem nächsten Motorrad aus dem Weg gehen muss. Weil der Verkäufer des Shops sieht, dass man sich mehr auf etwas anderes konzentriert und nicht auf seinen Laden, versucht er durch lautes Rufen von allerlei Blödsinn den Motorenlärm zu übertönen und so die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Was einen meist dazu bewegt, rückwärts aus dem Laden wieder raus zu gehen, oder erst gar nicht hinein.


Hört man sich unter Touristen um, meiden die meisten Kuta. Unter Backpackern würde man Kuta gerne meiden, nur leider gibt es keine Alternative zu Poppies in dieser Preisklasse. Denn etwas mehr außerhalb, Richtung Legian und Seminiak wird es merklich teurer, und die Preise eskalieren in der Oberschicht-Gegend um Jalan Oberoi.

Hinter Jalan Oberoi schließen sich neue Distrikte an, die aber im Moment noch spärlich bebaut sind. Man hat diese Gegend als Villenviertel verplant und ein Reisfeld nach dem anderen fällt einem modernen Betonbau, der nach 2 Jahren Risse bekommt und nach ca. 6 Jahren aussieht, als wäre er ein alter Kriegsbunker, zum Opfer.

Die Grundstückspreise (für Kauf von Land) bewegen sich nach unseren Recherchen (Stand 06.2010) so um die 35.000.000 Rupies, das sind ca. 3000 Euro pro m².

Die Gegend um Changu wird als sehr zukunftssicheres Investment gehandelt. Bis dato ist aber dort nicht viel los, außerdem ist der Strand dunkler und meist verschmutzt.

Wie dem auch sei – für meine eigene Person und Mentalität kann ich mir passendere Orte zum Leben vorstellen, als Indonesien. So würde unsere anfängliche Idee, uns in Bali mit einem Guesthouse selbstständig zu machen, für mich nur in Frage kommen, wenn wir ein wirklich gutes Grundstück zum wirklich guten Preis und einer wirklich angenehmen Gegend bekommen könnten... Man wird sehen und die Augen offen halten.... Aber nun fahren wir erstmal weiter nach Java.

Freitag, 9. Juli 2010

Nusa Lembongan

Ganz in der Nähe Balis, in einer Stunde mit dem Slow-Boat von Sanur aus erreichbar, liegt Nusa Lembongan.

Mir hat Nusa Lembongan sehr gut gefallen, weil es ruhig und noch relativ naturbelassen ist. 
Klar, es gibt auch hier schon ein paar Resorts, die die Hänge verschandeln. Wunderschöne, wildbewucherte Hänge mit schmalen Fußwegen, auf denen vor 7 Jahren (um 2003) noch Einheimische ihre Algen trockneten und auch ich voller Glück barfuß durch die Natur flanierte sind nun selten geworden. Geht man aber etwas außerhalb des Hauptortes spazieren, kann man immer noch viel Natur und märchenhaft schöne Steilküsten bewundern. 

Ein weiterer Pluspunkt auf Nusa Lembongan: Es gibt wenige Motorräder, wenig Abgase, wenig Lärm! Jeder Bali-Urlauber, der vorher in Kuta gewohnt hat, wird diesen Umstand als wahres Paradies begreifen. 

Auf Nusa Lembongan kann man sich Fahrräder ausleihen und um die Insel fahren. Die Umrundung der Insel mit dem Fahrrad ist in 3-4 gemütlichen Stunden locker möglich.

Die Insel ist bekannt für den Anbau von Speise-Algen. Es gibt dort verschiedene Sorten Algen, die auf Unterwasser-Feldern wachsen. Das Wasser rund um die Insel ist flach, geerntet werden die Algen zu Fuß mit einem Rücken-Korb oder vom Boot aus. Die Algen werden an Land gebracht und dort in der Sonne ausgebreitet und getrocknet (gras-ähnliche Sorten). Die anderen Sorten, die es in weiß und grün gibt, sind fettblättrig, sehr saftig und schön salzig. Man kann sie direkt beim Schnorcheln unter Wasser essen (vorher Schnorchel aus dem Mund nehmen) oder als Salat im Restaurant.
Algenbauern auf Nusa Lembongan






Das Schnorcheln auf Nusa Lembongan ist übrigens auch sehr interessant. Normalerweise bucht man einen Schnorcheltrip und fährt mit dem Boot raus, weil das Wasser am Strand sehr flach ist. 
Zwischen den Algenfeldern ist es zwar schwierig, den richtigen Weg zu finden, und man sollte sehr vorsichtig sein, damit man den Bauern nicht die Ernte zertrampelt. Ein Schnorchelgang lohnt sich aber trotzdem, zum Beispiel habe ich gleich zwei Muränen gesehen, die unter Steinen im Sandboden leben und zum Fressen in den Algenfeldern herum schlängeln.


Weitere Attraktionen der Insel sind die Mangrovenwälder, durch die man mit einem kleinen Boot oder schwimmend hindurch kommt. Das Wasser ist sehr trübe und der Untergrund schlammig. Wer Angst vor Tieren hat, sollte sich vielleicht besser für die Boot-Variante entscheiden, denn sowie man im Wasser stillsteht, kommen einige Lebewesen, die man ja nicht sehen kann, weil das Wasser so trüb ist, und versuchen, einen anzuknabbern.


Mangroven auf Nusa Lembongan. Hier darf man sogar schwimmen gehen! Ein wahnsinnig spannendes Erlebnis. 

Unterwasser ist es trüb, aber vermutlich voll von Leben, dass man aber nicht sehen kann. Kleine Fische knabbern einen an, sowie man stillhält. 
Außer der tollen Unterwasserwelt gibt es noch eine Besonderheit auf Nusa Lembongan, die man aber nur sieht, wenn man nicht hinsieht. Unzählige Landkrebse leben in Löchern im Wald und ziehen sich sofort in ihre Höhlen zurück, sowie man hinguckt! Man hat eigentlich nur eine Chance, die Krebse zu sehen, und zwar, indem man sich hinsetzt und auf den Boden guckt (auf keinen Fall auf die Krebslöcher starren!). Fühlen sie sich unbeobachtet, kommen sie ans Licht und verschwinden sofort wieder, sowie sie sich ertappt fühlen.


Und dann gibt es da noch das Underground-House – eine Höhle, die sich über ca. 162m² erstreckt und die ein einziger Mann allein von Hand gegraben hat! Dieses unglaubliche Bauwerk entstand, als sich der Besitzer des Grundstückes mehr und mehr mit Meditation befasste und einen Ort brauchte, an dem er sich ungestört konzentrieren konnte. So kam er auf die Idee, seinen Garten auszuheben, per Hand mit einem Spaten. Der Aushub der Höhle dauerte zwar mehrere Jahre, aber als er fertig war, zog er sich in sie zurück und hatte den perfekten kühlen, luftigen, stillen Ort, den er für seine spirituelle Entwicklung brauchte. Ohnehin war der Bau der Höhle eine geniale Idee, denn heute ernährt diese seine Kinder und Enkel, die sich mit der Führung von Touristen durch die Höhle über Wasser halten können.



Freitag, 2. Juli 2010

Bali, Lake Batur

Nachdem wir aufregende Tage in Sulawesi verlebt haben, fahre ich wieder zurück nach Bali und treffe mich nochmal mit Didit von der Pelni-Fähre. Das Schiff hat 2 Wochen Aufenthalt in Bali und D. wünscht sich, ein paar Motorrad-Ausflüge zu machen, weil man ja sonst als Seemann nie raus kommt...


Ein lohnenswertes Ausflugsziel auf Bali ist der Batur – See. Eine unglaublich schöne Landschaft, dramatische Lichtverhältnisse für tolle Fotos und ein angenehmes frisches Klima. Der See ist von Bali – Kuta in ca. 1 ½ - 2 Stunden mit dem Motorrad zu erreichen.


Was Besonderes für Touristen gibt es eigentlich nicht, mal abgesehen von ein paar Resorts, in denen man teuer essen kann oder eine Badeanstalt mit heißer Quelle. Aber allein die Fahrt zum See und seine Umrundung ist Erlebnis genug.

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Sonntag, 27. Juni 2010

23.- 27.06.2010: Manado, Tomohon, Lake Tondano, Tankoko Nationalpark

Immer noch im äußersten Norden Sulawesis bleiben wir noch ein paar Tage in Manado und Umgebung.
Manado selbst ist eine beschauliche Stadt.
Es gibt das Übliche: Internetcafés, in denen Jugendliche mit lautstarken Videospielen die Zeit tot schlagen, Restaurants mit lauter Musik, diverse Fastfood-Ketten, z.B. Texas-Chicken. Das beste Hotel der Stadt heißt „Ritzy“. 



An der Hauptverkehrsschlagader Manados haben die Bauherren ihre neue Leidenschaft für Shopping-Malls entdeckt. Es gibt die Mega-Mall, die Mantos (Manado-Time-Square), die Bahru-Mall, eine neuer als die andere.

Tomohon. 
In der ca. 40km von Manado entfernten Kleinstadt isst man gern Hund.

Der Markt der kleinen Stadt hat da so einige abgeflämmte Exemplare im Angebot....Tote und lebende Hunde starren uns an, mit schmerzverzerrten Gesichtern. Dass die lebenden Hunde zusammengepfercht in enge Käfige nicht weit von ihren gehäuteten Kollegen auf ihr Schicksal warten müssen, macht die ganze Angelegenheit nicht besser...Übrigens, dort erlebte ich es zum ersten Mal, dass Karina, sonst passionierte Fotografin, in absoluter Schockstarre, vergaß, Fotos zu machen.


Tomohon, Hundemarkt.

Etwas erholsamer wars dann aber in Tondano. Die Attraktion in Tondano ist ein großer See, der als Erholungsgebiet bei den Sulawesis beliebt ist. Also nichts wie hin nach dem großen Hundeschock.

Der Transport ist kein Problem, denn in der ganzen Umgebung gibt es unzählige Bemos (Klein-Linien-Busse, die von Privatpersonen betrieben werden), die uns sicher an unser Wunschziel bringen. Wir steigen also im Ortskern von Tondano aus und versuchen, zum See zu laufen, den wir von Ferne schon gesehen haben. Leider stellt sich heraus, dass die Strecke doch etwas länger ist, als wir dachten, auch liegt die Landstraße in der prallen Sonne.

Sparschweinchen-like entscheiden wir uns gegen die Angebote der Motorrad-Taxi-Fahrer und halten lieber einen Lieferwagen an, der uns umsonst bis an den See fährt. 




Bezahlung genug ist hier schon, wenn man gut sichtbar für Andere auf der Lieferfläche des Wagens mit fährt. Denn der Fahrer nutzt unterwegs jede Gelegenheit, um anderen Autofahrern oder Passanten mitzuteilen, was er für eine außergewöhnliche Fracht geladen hat.


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Am nächsten Tag geht’s mit Bemo und Lieferwagen ohne Dach im Regen nach Tankoko, wo im Nationalpark die niedlichen Tarsiers auf uns warten.
So ein Tarsier hat so große Augen, dass er sie nicht bewegen kann. Dafür aber kann er den ganzen Kopf bis zu 180° drehen.

Karina wird bei unserer Morgen-Exkursion zu den Schwarz-Makaken außerdem fast von einem vom Baum fallenden Jung-Affen erschlagen...Große Aufregung auf beiden Seiten.


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Ansonsten sitzen wir im Tankoko-Dorf rum und schauen uns abends mit den Dorfbewohnern das Match Deutschland-England an. Natürlich sind wir hier sehr beliebt, alle haben natürlich gewettet und fast das ganze Dorf wettet für Deutschland (2:1). Außer einer, der trägt eine England-Jacke. Als es noch besser kommt (4:1), flippen alle total aus, tanzen um die Deutschland-Fahne und hänseln den, der für England war... Ein ausgesprochen schöner Abend (für fast alle Anwesenden).




Mittwoch, 23. Juni 2010

Untertauchen um Bunaken, Sulawesi

In Bitung angekommen, machen wir uns erstmal nach Bunaken auf, eines der schönsten Tauchgebiete Asiens – ach, was sag ich – der ganzen Welt!
Tauchfans schwärmen rund um den Globus von dieser wunderschönen Steilwand unter Wasser, die so tief runter geht, dass man den Grund nicht sehen kann (auch in 20 m Tiefe noch nicht, wir haben es selbst gesehen.

Also wir, K. und ich, die mal gerade 4mal unter Wasser waren, und das an nur 2 Tagen während unseres Tauchkurses Ende Dezember 2009, wagen uns zum ersten Mal in unserem Leben für längere Zeit auf 18m! Und bleiben dort auch gleich 2mal ca. 50 Min. Nach unserer Tauchtabelle, die wir als Anfänger noch sorgfältig im Auge behalten, ist das zwar schon etwas sehr lange in dieser Tiefe...Unser italienischer Tauch-Instructor und zugleich Hotelwirt versichert uns aber, dass wir uns keine Sorgen machen müssten und neben ihm stecken sich seine italienischen Freunde unbekümmert ihre Zigaretten an... na dann kann's ja nicht so schlecht bestellt sein um ihre Lungen...

Die Steilwand ist aber dann wirklich ein Erlebnis. Sie ist riesig lang und voll gestopft mit Lebewesen aller möglichen Formen und Farben. Der Hit: Man wird von der Strömung die Wand entlang befördert und braucht nichts weiter zu tun, als zu gucken oder anzuhalten, wenn's was besonders Interessantes gibt. Wir sehen verschiedene Blätter-Fische, die so machen, als seien sie ein Blatt, dass im Wasser treibt. 


Dann 2 kleine Steinfische und einen Skorpionfisch. 
Unter uns haschen sich 2 Manta-Rochen und tauchen dann ab in Tiefen, die wir nicht mehr erkennen können. Ein Schildkröte schwimmt vorbei. In der Wand sehen wir unsere erste Moräne live in freier Wildbahn.
Nur schade, dass meine Kamera nur bis 10m dicht ist und nicht bis 30.

Bunaken ist eine kleine, gemütliche Insel. Das Dorfleben ist noch voll intakt. Die Bevölkerung ist vorwiegend christlich. Fast jeder Dorfbewohner hat sich aus 4 zusammengeklebten und rot bemalten Plastikflaschen ein Kreuz gebastelt, das vor dem Hauseingang hängt. Außerdem gibt es etliche Kirchen im Dorf – für unterschiedliche christliche Glaubensrichtungen. Neben frei laufenden Hühnern isst man Schwein, viele haben eins oder mehrere im Garten stehen (meist liegend).

Es gibt sehr wenige Motorräder, da die Insel nicht rundum befahrbar ist, stattdessen führen enge Trampelpfade durch den Dschungel. So macht das Leben Spaß, Abwesenheit von Motorenlärm und -Gestank: Der größte Luxus, wie sich auf unserer bisherigen Reise für mich eindeutig ergeben hat.

Noch dazu kommt der Mangrovenwald. Ach ist das drollig, wenn man zum ersten Mal an einem Mangrovenwald entlang geht und ein undefinierbares Etwas hüpft und schwimmt eilig Richtung Wurzelgehölz. 

Das ist der Schlammspringer


Ist der nicht super?
Viele kennen ihn vielleicht aus dem Zoo: Der Schlammspringer ist ein Tier, das so aussieht wie ein Fisch, aber seine vorderen Flossen zu kleinen Beinchen umfunktioniert hat. Außerdem sind seine Augen höher gesetzt, wie die eines Frosches, so dass er über die Wasseroberfläche sehen kann. 
Ein Unicum...ein Hingucker...ein Grund dafür, warum Mangroven nicht sterben dürfen...

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Freitag, 18. Juni 2010

12.06. - 18.06.2010: Mit der Pelni-Fähre von Bali nach Manado

Heute breche ich auf zu einem neuen Abenteuer.
3 Wochen Sulawesi, Anreise mit dem Schiff, Dauer: 6 Tage.

Zuversichtlich kaufe ich mein Ticket. Die Verkäuferin zeigt mir das Foto des Schiffes – deutsches Fabrikat, da könne nicht viel passieren. Sie verspricht eine Matratze und Badezimmer. Ich buche economy, denn 2. und 1. Klasse ist um das 3- bzw. 5-fache teurer.

Ich breche alleine auf, denn K. will noch 2 Tage in Bali bleiben und arbeiten. Das Schiff soll um 9 Uhr ablegen ... um 10 Uhr ist aber auch noch früh genug.

Kein Problem, denke ich, in der Zeit kann ich in Ruhe meine schöne Liege suchen. Laut Eintrag auf dem Ticket – 3. Etage, Platz 91. Als ich an der Information im Schiff vorbeikomme, wollen die mir als erstes ein 1.-Klasse-Ticket verkaufen. Das gibt mir zu denken, ich sage aber, ich wolle mir erstmal meinen Platz anschauen und dann entscheiden.

Als ich die Economy-Schlafräume betrete, bin ich zugegeben etwas geschockt. Ich hatte mehr normale Familien mit Kindern erwartet, stattdessen finde ich ca. 75% Junggesellen vor, die mir lauthals entgegen krakeelen und versuchen, mich neben ihnen einzuquartieren. 

Platzreservierungen gibt gar es nicht. Da haben sie nur irgendwas drauf gedruckt, um einen seriösen Eindruck zu vermitteln, erklärt mir ein Crew-Mitglied. 

Also liegt man irgendwo. 
Apropos liegen – die Liegen sind praktisch eine breite Liege am Stück. Ohne jegliche Abgrenzungen...

Ich versuche, in dem Gewimmel alleinreisende Frauen auszumachen, jedoch ohne Erfolg. So entscheide ich mich gegen die Junggesellen und für das offene Deck und wandere nach draußen, um dort eine freie Bank zu suchen.

Als nächstes gerate ich ins Visier eines Crew-Mitgliedes. Man kennt das ja, in einigen Ländern gibt es zweierlei Personal: Die einen meinen es wirklich gut, die anderen wittern ihre Chance, etwas für sich selbst raus zu holen.
So will mir einer einreden, das Boot wäre brandgefährlich und ich könne nur ihm vertrauen, ich solle meine Tasche und alles getrost bei ihm lassen und mich am besten neben ihm auf einen Stuhl setzen und nicht weitergehen. Ein Anderer will immer noch das 1.-Klasse-Ticket loswerden. Da heißt es mal wieder: Ruhe bewahren und weiter suchen.

Ich setze zu einer weiteren Runde durch das Economy-Deck an, auf der Suche nach einer Matratze, die ich mit nach draußen nehmen kann. Auf dem Weg treffe ich ein Crew-Mitglied, das es gut meint, aber leider spricht er kein Englisch. Der Steward bringt mich in den Abschnitt mit den Crew-Kabinen. In einem Zimmer ist ein Bett frei. Zusammen mit 3 anderen Mitarbeitern. Das ist schon besser, aber ich frage trotzdem, ob es auch weibliche Crew-Mitglieder gibt, dann könnte ich doch bei denen fragen...Gibt es nicht. 

Aber man führt mich woanders hin. Auf einmal wird es bedeutend frischer - Klimaanlage! -  und wir biegen um eine Ecke, die Kabine des Kapitäns gerät in mein Blickfeld. Man zeigt mir einen sauberen, kühlen Raum mit Bad. Sogleich kommt der Bewohner des Zimmers um die Ecke – der erste Ingenieur. Auf den ersten Blick vertrauenswürdig. Gut, ich checke also ein.

Wider meiner anfänglichen Befürchtungen benimmt sich mein Zimmernachbar einwandfrei. Wenn ich morgens um 8 Uhr aufwache, hat er schon 4 Stunden im Maschinenraum verbracht und mir danach mein Frühstück heran geholt. Es gibt für mich Essen aus der ersten Klasse, für 3.Klasse-Passagiere gibt es nur ein winziges Stückchen Huhn und trockenen Reis, das man sich gegen das Vorzeigen seines Tickets holen kann. Das Bad ist wunderbar sauber, es gibt einen Fernseher und ich bin immer auf dem neusten Stand, was Ankunftszeiten, Ereignisse auf dem Schiff und Maschinenleistung betrifft.

Auch klärte sich die Geschichte auf, die sich kurz nach dem Ablegen in Bali zutrug: 
Und das kam so: Gerade erst aus Bali's Hafen ausgelaufen, ging das Schiff auf einmal voll in die Eisen und machte eine unübliche Kehrtwende. Was war passiert? Was im Hafen vergessen? Noch ein berühmter Gast, der mit will? 
Nee, das alles nicht, sondern...Mann über Bord! Ja natürlich, was sonst? Ihr glaubt es nicht? Dann kennt ihr den Indonesier schlecht, dem Kletter-und-Klammeräffchen nicht unähnlich. Sie kommen zu Hunderten an Bord und haben nochmal hundert Pappkartons dabei, die genauso viel wie sie selber wiegen und alle irgendwo verstaut werden müssen. Damit klettern sie über jegliche Absperrungen, auf der Suche nach einem freien Plätzchen und Minimalkomfort. Das da mal ab und zu einer über Bord geht, ist ja klar irgendwie...


Die Route geht von Bali (Benoa) nach Lombok (Lembar), Sumbawa (Bima), Flores (Labuan Bajo) und dann rüber nach Sulawesi: Makassar, BauBau, Kendari, Kolonedale, Luwuk, Gorontalo und Manado. In Bali war das Boot noch ziemlich leer, erfahre ich, ca. 700 Mann, obwohl die 3. Klasse -Betten schon fast alle besetzt waren, als ich sie mir ansah. In Bima steigen unglaublich viele Leute zu, jetzt sind 2000 an Bord. Ich erfahre, dass es in Bima mehr Fisch gibt, als in Makassar und deswegen die Leute zwischen Makassar und Bima pendeln, um dort zu arbeiten. In Labuan Bajo steigen nochmal ca. 700 dazu. Jetzt ist es aber richtig voll! Die Leute schlafen, wo gerade was frei ist, natürlich auch auf Deck, in allen Gängen und sogar jenseits der Reeling. 
Mal locker an Deck spazieren gehen, kann man jetzt vergessen, denn man muss über die Leute drüber steigen und das macht keinen guten Eindruck.


Der weitere Verlauf der Reise ist außerordentlich erfreulich. Als K. an Bord kommt, habe ich schon alles ausgemacht: K. wohnt in der Kabine des Chef-Ingenieurs, der sogar 2 Zimmer hat, mit Bad, Küche, Wohnzimmerecke und Schlafzimmer. So hat K. sogar ihr eigenes Zimmer mit Schreibtisch.
Ich bleibe weiterhin in meiner Kabine und Didi, der erste Ingenieur und ich verstehen uns gut. Er ist die meiste Zeit mit Rauchen und Fernsehen beschäftigt, außerdem erfahre ich viel über seine Heimat, eine Insel vor Sumatra.


Will man nicht im Zimmer rumhängen, geht man an Deck, was seit Makassar wieder leerer und sauberer ist. Da alle Zeit haben, kommt man leicht ins Gespräch. Außerdem müssen K. und ich unentwegt für Fotos posieren.

Die Stopps in den Häfen sind außerdem die Highlights. Besonders in Luwuk ist es interessant und in Gorontalo sind die Leute irgendwie eigenartig. Sie kreischen laut rum, springen und rennen – vielleicht sind es Bugis, ein Volksstamm, der durch seine wilde und ruppige Art bekannt ist. Die Bugis waren früher Piraten und berühmt dafür, dass sie nicht lange fackelten (Daher auch der Ausdruck: Hüte Dich vorm Bugimann). Gorontalo – schade, dass wir da keinen Landgang machen konnten...

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Sonntag, 13. Juni 2010

Alltag auf Bali

Bali, mein altes Zuhause.
Wie viele von Euch vielleicht wissen, habe ich hier im Jahre 2003 ein Studiensemester an der berühmten Udayana University in Denpasar verbracht. Das war ein Leben! Morgens mit dem Taxi in die Uni, seine ganzen deutschen Freunde treffen, ein paar Stunden Entertainment von lustigen indonesischen Dozenten, aber dann schnell heim – denn der Strand rief...

Die Arbeitsmoral ließ bei einigen zu wünschen übrig. Meinereiner ging wenigstens pflichtgetreu jeden Tag zum Unterricht und versuchte, das Wissenswerte aus dem vielen Unsinn heraus zu filtern. Andere versuchten es gar nicht erst, unterschrieben die Anwesenheitsliste und fuhren wieder heim.

Nun, 7 Jahre später, sind wir wieder hier.
Es hat sich nicht viel verändert. Die Motorräder drücken sich immer noch durch die engsten Gassen, Motorrad-Taxi-Fahrer versuchen, einen zu einer Fahrt zu überreden, die Gulli-Deckel sind offen, Verkäufer schreien durcheinander. Es herrscht eine Lautstärke, die jedem friedliebenden Landei den letzten Nerv rauben könnte – es sei denn, man übt sich in Ruhe, Geduld, Nächstenliebe, was immer ein paar Tage dauert, bis man sich an das Treiben auf den Straßen gewöhnt hat.

Weil es tagsüber noch nicht laut genug ist, drängt man sich abends durch Animierdamen und Drogendealer hindurch in eine der 3 angesagten Diskotheken, nimmt dort die zahlreichen Angebote wahr (z.B. buy 1, get 2 oder free drinks for girls) und bleibt dort bis 4 Uhr morgens.

Ein Glück hat Bali auch noch mehr zu bieten. Zum Beispiel alte Freunde. Mein erster Gang führte bei meiner Ankunft natürlich zu Sam, einer meiner treuesten Freunde. Erstmal irre ich in der Stadt herum, weil ich den Weg zu S. Wohnung vergessen habe, bis mir endlich der Name eines Hotels in der Nähe einfällt, nach dem ich fragen kann.

S. kenne ich nun schon 9 Jahre. Als ich ihn zum ersten Mal sah, dachte ich, er sei ein Mädchen, denn er hatte eine lange Lockenmähne und ist klein und zierlich.

S. lebte in einem kleinen schlichten, sauberen Zimmer. Seine Einrichtung bestand aus einer Matratze, einem Koffer für seine Kleider und einem Kassettenradio. Nun, 7 Jahre später, wohnt S. immer noch in dem selben Zimmer, aber es ist gefüllt mit einer Ehefrau, 2 kleinen Kindern, der Matratze, einem Kleiderschrank, einer Kommode, einem Fernseher und jeder Menge Babywäsche. Gegenüber seiner Wohnung hat S. sich eine Werkstatt eingerichtet, in der er Ledertaschen und -Gürtel produziert. Unter anderem auch für ein Berliner Label.

Ich bin stolz auf S.
Er hat erreicht, was er sich immer gewünscht hatte. Vom mittellosen Junggesellen zum Kleinunternehmer und stolzen Familienvater.

In den darauf folgenden Tagen gehen K. und ich bei S. in die Lehre – zum Ledertaschen und Gürtelmacher. Inspiriert von dem Erlernten will K. nun Taschendesignerin werden.

Bei mir dagegen ist es unspritziger: Design kann ich mir gut als Nebenjob vorstellen, aber hauptberuflich würde ich gern Investor werden. Inspiriert durch ein neues Buch über Investmentstrategien versuche ich nun, das Handwerk dafür zu lernen. Es scheint so, als wollten in Indonesien viele Leute Investor werden, denn die Buchläden können ein beachtliches Sortiment von Finance- und Investment-Strategie-Büchern vorweisen.
Die Bali-Tage sind alle schön und man führt ein beschauliches ruhiges zufriedenes Leben (abseits des Motorenlärms). Der Tagesablauf besteht darin, aufzustehen, gemütlich zu frühstücken, zu Sam zu gehen, danach noch zum Strand, zum Schwimmen oder Laufen und dann abends Wäsche waschen und was essen.



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