Nach einer 12 ½ –
stündigen Flugzeit mit Lufthansa, während der sie einen wahlweise
mit Pasta, schlechter als die vom Campingkocher, oder Hühnchen, das
genauso aussieht wie die Pasta, nur halt mit Hühnchen, füttern, und
nach den 3 letzten Kinofilmen „Planet der Affen“, nach denen man
sich nochmal so richtig Gedanken machen kann, wie ängstlich,
aggressiv und dumm die Menschheit doch sein kann und wie respektlos
sie mit anderen Lebensformen umgeht, freue ich mich nun wirklich
wirklich sehr auf den Dschungel.
Der Dschungel –
dieser Inbegriff von Leben und Fruchtbarkeit, von Verschiedenheit und
Einklang, von Freude in der Stille, von Harmonie und Gleichgewicht,
das nur der Mensch fertig bringt, zu zerstören. Dieses Stück heile
Welt, dass unermüdlich und stark gegen seine Dezimierung
zurückschlägt – Lebensraum für 1000e Lebensformen, von denen
jede einzelne schon allein nur Ihrer Schönheit wegen größten
Respekt und Rücksichtnahme verdient.
In diesem Dschungel
darf ich die nächsten 2 Wochen Gast sein. Werde teilhaben dürfen an
dieser Fülle, Pracht und Farbe. Werde ehrfürchtig den Geräuschen
von Tieren zuhören, die sich so gut verstecken, dass man sie
mitunter nie zu Gesicht bekommt. Werde mich heranpirschen, mich
herantasten, werde horchen, riechen und spähen und den Wald und ihre
Bewohner versuchen, mit allen Sinnen zu erfassen.
Gamboa - das ist für
mich das Paradies. Ich habe selten einen schöneren (besiedelten) Ort
irgendwo auf der Welt gesehen. Gamboa liegt am Panamakanal und ist
das Zentrum des Kanalbaus. Hier steht der älteste Kran und alles
Equipment, dass man zum Ausbaggern des Kanals benötigt.
Früher, als
der Kanal gebaut wurde, entstand die Siedlung für Kanalarbeiter aber
vor allem auch für ihre Chefs. Dort stehen gemütliche Holzhäuser,
umgeben von einer weitgehend ungezähmten Natur. Der Dschungel wird
nicht ausgesperrt, sondern setzt sich in den Gärten der Dorfbewohner
fort. In den Gärten laufen Agutis herum, die Nachbarn legen Bananen
aus, um die schillernd bunte Schar der Vögel anzulocken. Die
öffentlichen Wiesen werden nur stückweise gemäht, sodass genug
Rückzugsgebiete für Tiere erhalten bleiben.
Es gibt alte Bäume im
Dorfpark, die eine Form haben, wie man sie aus romantischen Märchen
kennt.
An der gegenüberliegenden Seite des Dorfes zum Kanal trennt
eine naturbelassene, teilweise gemähte Wiese und eine dünne
Dorfstraße das Dorf vom Wald.
Hier in Gamboa war
ich schon mal im Jahre 2014. Damals wohnte ich aber in Panama-City in
einem Hostel und nahm jeden Tag den Bus. Erst mal aus der Stadt
hinaus bis zum Busbahnhof und dann den Überlandbus nach Gamboa, der
mich an der uralten Charges-Kanal-Brücke hinaus ließ. Die Fahrt
dauerte jeden Tag 1 ½ Stunden und ich musste leider auch immer früh
zurück, da der letzte Bus um 17 Uhr fuhr. Damals hatte ich nur 3
Tage Zeit und ich schwor mir, dass ich diesen Ort unbedingt nochmal
ausführlich erkunden wollte.
Nun – diesmal
machte ich es wahr. 5 Nächte in Gamboa wohnen, in dem einzigen
Guesthouse, das es dort gibt, bei
Ivan.
5 Nächte in einem dieser niedlichen Holzhäuser, 5 Tage kein
nerviger Motorenlärm, sondern nur Vogelgezwitscher, 5 Tage mit den
Vögeln aufstehen, laufen, schauen, staunen.
In Panama-City
angekommen nahm ich zusammen mit einem Kolumbianer ein Taxi nach
Albrook, wo der Bus nach Gamboa abfährt. Ich fand die Haltestelle
fast auf Anhieb wieder und der Bus spukte mich planmäßig um halb 8
Uhr abends vor dem Resort in Gamboa aus, von dem ich den Weg zu dem
Guesthouse kannte, das ich 2014 ausfindig gemacht hatte, und laufen
konnte.
Gamboa ist nicht nur
eines der schönsten Dörfer dieser Erde, dass ich kenne, sondern
auch ein Hot-Spot für Vogelbeobachter.
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| Nachbarn in Gamboa legen Bananen für die Vögel aus. |
Es gibt in diesem
relativ kleinen Land Panama ungefähr 1000 unterschiedliche
Vogelarten! Natürlich ist die Region unter Birdwatchern sehr beliebt
und auch ich werde hier mein Glück als Birdwatcher versuchen.
Birdwatcher zu sein,
das heißt, dass man möglichst schon im Wald ist, wenn die Vögel
aufstehen. Nach Vor-Ort-Recherche kann ich sagen, dass die meisten
Vögel um genau 06:17 aufstehen. Man steht also vor 5 Uhr auf um um 6
Uhr auf der berühmten
Pipeline-Road zu sein. Die Pipeline-Road ist
ein teilweise befahrbarer Feldweg, der 23 km quer durch den Wald
führt und der DIE Adresse für Vogelbeobachter ist. Von Gamboa aus
kann man dort hin laufen, jedoch läuft man bis zum Eingang der
Pipeline-Road schon allein 45 Minuten.
Dies war also das
Programm. Morgens läuft man um 5 Uhr los zur Pipeline-Road, bleibt
dort, bis es zu warm wird, und ist dann um ca. halb 12 wieder zurück,
wobei man dann gute 15 km gelaufen ist, was in dieser Hitze vor allem
auf dem Rückweg gewöhnungsbedürftig ist.
Am ersten Tag habe
ich noch kein Glück mit Fotos von Vögeln. Man sieht viele, aber sie
sind so flink, dass man sie nicht vor die Linse bekommt. Es erfordert
Zeit und Erfahrung, weil man andauernd irgendwo im Busch ein Geräusch
ausmacht, aber nichts sieht. Deswegen muss man erstmal lernen, wer
hier welche Geräusche macht und in welcher Höhe des Gebüsches man
was erwarten kann.
Manche Vögel haben
auch bestimmte Zeiten, in denen sie zu sehen sind. Deswegen möchten
die erfahrenen Birdwatcher auch um Punkt 06:00 Uhr im Wald sein, weil
es Vogelsorten gibt, die nur ganz kurz nach dem Aufstehen aus dem
Gebüsch kommen, z. B. von 06:00 – 06:15 Uhr.
Soweit so gut. Ich
konzentriere mich dann erst mal auf größere Tiere, die besser still
halten und nicht so schnell weg sind, wie dieses Wasserschwein hier: